Lena Christ Ruhmeshalle_edited_edited.jpg

Lena Christ!

Ruhm und Ehre Bayerns für die Hansschusterleni

Ein literarischer Stadtspaziergang

Was?

Stadtrundgang

Wann? / Wo?

30. Juni 2022, 11 Uhr
Vor der Ruhmeshalle

Sprache

Deutsch
Bairisch

Dauer / Preis

2 Stunden
14 € (Erwachsene)
12 € (ermäßigt)

7 € (Kinder)
220 € (Gruppe)

Lena Christ!

Ruhm und Ehre Bayerns für die Hansschusterleni

Ein literarischer Stadtspaziergang

"Droben beim Martlbräu platzen die Knospen der Kastanien, treibt der Flieder seine Dolden, gurren die Tauben auf dem Dach der Stallungen. Und die Hanni steht mit heißem Gesicht und geröteten Armen am Herd, wendet den Braten, rührt die Brüh, klappert mit den Deckeln und wischt an den Tellern, ...!"

 

Diesen Einblick in das Schicksal der Rumplhanni gewährt uns Lena Christ in ihrem gleichnamigen Roman. Sie lässt uns teilhaben am Leben einer jungen, unverheirateten Frau aus der Schicht der Dienstboten.

 

Um 1900 hatte München eine halbe Million Einwohner, von den Frauen waren mehr als 2/3 zugereist! Damals fuhren täglich 300 Züge über den Münchner Centralbahnhof (heute: um die 750). Es wimmelte von arbeitswilligen Frauen, die als Dienstmadln, Arbeiterinnen, Mörtelweiber, Kellnerinnen, Wassermadln, Köchinnen, "Perlen"... ihr Auskommen suchten. In diese Lebenswirklichkeit entführt uns Lena Christ in ihrem Roman. Zu Literatur geworden und für die Ewigkeit festgehalten, verbindet das Leben der Rumphanni glaubwürdig die Lebenswirklichkeit Münchens um 1900 mit einer anschaulichen Sprache. Besonders die Dialoge klingen auf eine Weise ans Ohr, als ob sie wirklich stattgefunden hätten und nicht erfunden wären.

Warum ist das über den literarischen Genuss hinaus für uns interessant? Oder: Wie es die Hansschusterleni in die Ruhmeshalle schaffte!

 

Sie selbst hätte wohl am wenigsten damit gerechnet, dass ihre Literatur als bedeutend anerkannt werden würde. Vor allem nicht in der seelischen Verfassung ihrer letzten Lebensjahre: am 30. Juni 1920 nahm sie sich im Alter von nur 38 Jahren das Leben. Sogar die Angaben auf ihrem Grabkreuz machen den Eindruck, als hätte sich die Welt gegen sie und ein ehrendes Gedenken verschworen: als Todestag wird der „31. Juni“, angegeben, den es auch in absehbarer Zukunft nicht im Kalender geben wird. Persönliches Unglück konnte das von ihr geschaffene Werk nicht dauerhaft überschatten. Heute steht sie als Schriftstellerin in einer Reihe mit Oskar Maria Graf oder Ludwig Thoma. Ihre Hauptwerke sind "Erinnerungen einer Überflüssigen", "Rumplhanni" und "Mathias Bichler".

 

Nachdem sich mittlerweile viele mit ihrem Leben und ihrem Werk auseinandergesetzt haben, kam sie auch ganz offiziell zu den höchsten Ehren, die einem in Bayern zuteil werden können. Am 3. April 2000 wurde Lena Christs Büste als eine von zwei Frauenbüsten in der Ruhmeshalle in München aufgestellt. Es waren die ersten Büsten für Frauen überhaupt, die seit Eröffnung der Ruhmeshalle 1853 dort hineinkamen. Wer hätte gedacht, dass eine davon die Schriftstellerin Lena Christ ehrt? Die Ehrung im Jahr 2000 kam spät und ehrt sie doch noch vor so vielen anderen Frauen, die es auch wert gewesen wären.

Übrigens…

...wissen viele immer noch nicht, wer Lena Christ war, obwohl so viel über sie geschrieben worden ist. Schon das ist ein Grund, sich mit ihr und ihrem Werk zu beschäftigen. 

Folgen Sie mir auf literarischen Spuren durch München. Mit ihren Werken im Gepäck machen wir uns auf Spurensuche. Einerseits, um dem Leben der Lena Christ nachzuspüren, andererseits, um den Lebensbedingungen der Menschen und vor allem der Frauen um 1900 auf die Spur zu kommen. Vor allem ihr Roman "Erinnerungen einer Überflüssigen", in dem ihre Lebenserinnerungen Literatur geworden sind, weist uns den Weg zu einigen Orten.​