Auf zu den Lichtern der Großstadt bei Nacht! Als München zu leuchten anfing.

Aktualisiert: 25. Apr.

Wissen Sie, wo die eleganteste Brücke Münchens steht, wie sie heißt und was sie mit unserem Thema zu tun hat?




Bei der Brücke handelt es sich um den Kabelsteg, der in der Nähe der heutigen Muffathalle über die kleine Isar führt. Die Muffathalle ist ein ehemaliges Elektrizitätswerk. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der dort erzeugte Strom für die Münchner Straßenbeleuchtung genutzt. Die zu beleuchtenden Stadtteile Altstadt und Lehel sind jedoch durch die Isar vom Muffatwerk getrennt. Wie kam nun der Strom hinüber? Dazu diente die elegante Brücke, der Kabelsteg! Über ihn verliefen die Stromkabel aus dem Muffatwerk. Und nun wissen Sie auch, dass es kein Dichter war, der die Brücke benannte, sondern Beamte der Münchner Stadtverwaltung.




Der Kabelsteg stammt aus dem Jahr 1898 und steht zusammen mit dem Muffatwerk für den Beginn der städtischen, elektrischen Stromversorgung in München. Seitdem hat das Ausmaß der Straßenbeleuchtung zugenommen auf aktuell 230 000 Straßenlaternen. Wissen Sie, wann diese täglich ein- und ausgeschaltet werden? Gehen alle zur gleichen Uhrzeit an und aus? Ich weiß nicht, wie's Ihnen geht, aber ich bin immer überrascht, wenn ich mich dabei ertappe, dass ich merke, wie die Lichter in der Stadt angehen. Oftmals merken wir das nicht mehr, die Gründe dafür mögen verschieden sein. Nicht zu leugnen ist, dass die Städte der Welt mittlerweile sehr helle Orte geworden sind. Dies lässt sich beweisen durch Satellitenaufnahmen aus dem All. Diese künstliche Erhellung der Nacht wird heutzutage auch kritisch gesehen, wofür es gute Gründe gibt. Jedes Jahr findet deswegen die Earth Hour statt, bei der das Licht eine Zeitlang ausgeschaltet bleibt.



Lassen Sie uns erkunden, wie das früher war mit der Beleuchtung in der Stadt.

Haus- und Straßenbeleuchtung waren in München über Jahrhunderte hinweg zuallererst Privatsache. Bürgerinnen und Bürger durften Pechpfannen an den Hauswänden aufhängen, wenn sie es heller haben wollten. Damals war es sicher noch gut möglich, über der Stadt den Sternenhimmel zu sehen! Während der zwanzig Jahre, die es brauchte, um die Frauenkirche hinzustellen, erfahren wir, dass "man zuntet an all pfannen". Dies geschah vor allem in solchen Jahren, in denen viel Geld durch gläubige Pilger in der Stadt gelassen wurde. So sollen in einer einzigen Woche im März 1480 an die 65 000 Besucher in München gewesen sein! Die Pechpfannen sorgten also für zusätzliche Helligkeit und Sicherheit! Bis heute spielt Licht eine große Rolle dafür, ob Menschen sich sicher fühlen. Die Sprache spiegelt das wider: Menschen, die sich im Dunkeln in der Stadt rumtrieben, bezeichnete man als "lichtscheu" und galten als wenig vertrauenswürdig. Wird etwas oder jemand als einziger "Lichtblick" bezeichnet, dann herrscht rings herum Dunkelheit.

Im 18. Jahrhundert wurde ein Illuminationsamt eingerichtet, das die erste offizielle Straßenbeleuchtung Münchens organisieren sollte. Diese Anweisung kam vom Kurfürsten, die Stadt musste sich fügen. Mit einer Laternensteuer wurden die Bürger an der Finanzierung beteiligt. Ab 1731 wurde München offiziell beleuchtet, jedoch nur in den dunkelsten acht Monaten und nicht das ganze Jahr hindurch. Dem Stadtschreiber war es sogar wert zu notieren, dass die Bürger bei Vollmond das Brennmaterial, den Unschlitt, sparen sollten. Unschlitt bestand aus tierischen Fetten und wurde von den Metzgern bezogen. Bis zu den russfreien Kerzen war es noch ein weiter Weg. Bienenwachskerzen brannten am besten, was sogar Goethe feststellte und für Theateraufführungen empfahl. Sie waren so wertvoll, dass sie in den Silberkammern der Residenzen wie ein Staatsschatz aufbewahrt wurden.




Der Fortschritt des 19. Jahrhunderts modernisierte auch die Straßenbeleuchtung. Allzu hell war es bis dahin wohl trotz Straßenbeleuchtung nicht gewesen. Dafür sorgte schon der Standort der Laternen, die in der Regel an den Hauswänden und nicht über den Straßen hingen. 1807 notierte der Stadtschreiber, dass die ersten drei Laternen mittig über der Kaufingergasse aufgezogen worden waren. Dies sorgte für allerlei Spott und konnte sich erst einmal nicht durchsetzen. In den 1850er-Jahren wurden dann die ersten Gaslaternen aufgestellt. Das dafür notwendige Gas stellte das erste städtische Gaswerk an der Thalkirchner Straße her. Wissen Sie, wo die letzte Gaslaterne Münchens im 20. Jahrhundert abgeschaltet wurde?


Mittlerweile werden Straßen, Häuser und Plätze nicht mehr nur aus praktischen Gründen beleuchtet. Bahnhöfe, Bauwerke und Brunnen erstrahlen nachts im Flutlicht und tragen zur Atmosphäre in der Stadt bei. Licht selbst wird zum Kunstwerk! 2008 entstand am Wehrsteg die Installation "Licht gießen" von Joachim Fleischer. Dabei wurde der Wehrsteg zusammen mit der Lukaskirche aus acht bewegten Lichtquellen angestrahlt.



Lassen Sie uns den Stadtspaziergang als Vor- oder Nachbereitung der Earth Hour machen!


Wir bewegen uns auf unserem Rundgang durch die Dämmerung in die Nacht hinein und entdecken dabei neben den Lichtern der Großstadt auch ihre Geschichte. Auf geht’s, lassen Sie uns die beleuchtete Stadt erkunden. Wir steuern ausgewählte Plätze, Häuser, Straßen und Kunstwerke an, um zu erfahren, wie sich der Ort im Laufe der Zeit verändert hat.

Ich freue mich auf Sie!









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