Auf zu neuen Bauten! Aus Glas, Eisen und Stahlbeton

Aktualisiert: 25. Apr.

"Ohne den Lehm daat's München ned geb'n!"


Wenn Sie sich mit Baustoffen in München beschäftigen, stoßen Sie sehr schnell auf den Lehm, der über Jahrhunderte hinweg der Münchner Baustoff war! Im Stadtbild am prominentesten vertreten durch den Backsteinbau der Frauenkirche, was ihre Bedeutung als Münchner Wahrzeichen gleich noch mehr untermauert! Wo konnte man den für die Ziegelproduktion so wichtigen Lehm in München finden? Dazu musste man von der Frauenkirche aus die Isar überqueren und dort, zwischen Perlach im Süden und Ismaning im Norden erstreckte sich die Lehmzunge. Das Ziegelland! Dort, in Johanneskirchen, bin ich aufgewachsen und hätte als Kind nie gedacht, dass die Ruinen der Alten Ziegelei, in der wir gruselige Spiele spielten, mal ein Industriedenkmal Münchens werden würden!




Das Wachstum Münchens seit dem 19. Jahrhundert führte dazu, dass die Lehmvorkommen bis in die 1960er-Jahre fast vollständig ausgebeutet wurden. Parallel hierzu führten die Förderung von Erz und Kohle ins Industriezeitalter und dazu, dass Eisen und Stahl zu ihren wichtigsten Grundstoffen wurden. Diese wurden dann auch als Materialien am Bau eingesetzt. Ein München-Reiseführer von 1922 blickt wie folgt auf diese Entwicklungen zurück:

„Industrie und Technik hatten in München zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden und trotz wiederkehrender Anregungen und Versuche ging es damit nur langsam vorwärts. Es muß aber gleich gesagt werden, daß jetzt München eine große und ausgezeichnete, zum Teil weltberühmte Industrie besitzt…“




1922 stand in München noch ein spektakuläres Gebäude aus der Anfangszeit des Bauens mit neuen Materialien: der Glaspalast (siehe Bild oben). Er befand sich gegenüber dem Justizpalast zwischen Stachus und Hauptbahnhof. Dort, wo sich heute der Alte Botanische Garten und das Park Café befinden. Der Glaspalast war eine gläserne Halle, 234 Meter lang, 67 Meter breit und 25 Meter hoch. Verbaut wurden 1 700 Tonnen Bauteile aus Gusseisen und 37 000 Glastafeln. Wenn wir heute an spektakuläre, lichtdurchflutete Anlagen in München denken, fällt den meisten von uns wahrscheinlich das Olympia-Zeltdach ein, das mehr als 100 Jahre nach dem Glaspalast errichtet wurde.

Max II. Joseph, seit 1848 König von Bayern, war davon überzeugt, dass sich wissenschaftliche Forschung und technisch-industrieller Fortschritt zum Nutzen der Gesellschaft einsetzen lassen. Er begeisterte sich persönlich für die Wissenschaften und holte aus diesem Grund bedeutende Forscher, wie Justus Liebig, nach München. Der Liebig-Schüler, Max von Pettenkofer, beschäftigte sich intensiv mit den hygienischen Verhältnissen in München. Seine Forschungen zur Cholera führten dazu, dass in München eine Kanalisation, ein zentraler Schlachthof und eine Trinkwasserversorgung gebaut wurden. Mit diesen Bauten ist der Beweis erbracht, dass wissenschaftlicher Fortschritt auch praktischen Nutzen für die Gesellschaft bringt! Die Wohn- und Lebensbedingungen der Menschen in München verbesserten sich dadurch erheblich.

Wie konnte man damals etwas über den technischen und industriellen Fortschritt erfahren? Seit Ende des 18. Jahrhunderts fanden messeartige Ausstellungen statt, die die technischen Errungenschaften der Zeit präsentierten: 1798 Paris, 1851 London, 1853 Dublin, 1853 New York. Im deutsch-sprachigen Raum fanden die ersten Industrieausstellungen in den 1840er-Jahren statt: 1842 Mainz, 1844 Berlin, 1850 Wien und Leipzig. Für Bayern bestimmte König Max II. Joseph, dass 1854 auch in München eine Industrieausstellung abgehalten werden sollte. Für dieses Vorhaben ließ er ein eigenes Gebäude errichten, den Glaspalast. Dieser wurde in moderner Bauweise als Glas-Gusseisen-Konstruktion errichtet.


Man hatte bereits praktische Erfahrung mit solchen Bauten, da kurz vorher die Schrannenhalle feriggestellt worden war. Auch ein erstes Wintergarten-Projekt gab es. Max II. Joseph ließ ihn auf dem Dach der Residenz errichten, dort, wo heute das Residenztheater steht. Es sollte nicht bei diesem Wintergarten bleiben. König Ludwig II. übernahm die Idee von seinem Vater und verwirklichte in einem zweiten Wintergarten seine Vorstellungen. Dieser befand sich ebenfalls auf dem Dach der Residenz, auf der Hofgartenseite und ragte in den Kaiserhof hinein. Mit diesen Bauprojekten förderten Max II. Joseph und sein Sohn Ludwig II. die moderne Industrie in Bayern. Die Firma, die das Material für die erwähnten Bauten lieferte, existiert heute noch! Der Industrielle, der diese Bauprojekte stemmte, hieß Theodor von Cramer-Klett. Wenn Sie aus Nürnberg stammen, dann wissen Sie jetzt, um welches Unternehmen es sich handelt. Allen anderen erkläre ich es gerne auf unserem gemeinsamen Rundgang!




Wir begeben uns auf unserem Rundgang in die Zeit des Glaspalasts, der Schrannenhalle, der königlichen Märchen-Wintergärten und der Stahlbetonbauten. Einer der ersten Stahlbetonbauten Deutschlands war die königliche Anatomie (siehe Bild oben), die von Max Littmann in der Pettenkoferstraße errichtet wurde. Wenn Sie mehr wissen wollen, dann...

...freue ich mich darauf, mit Ihnen gemeinsam Bauten aus Glas, Eisen und Stahlbeton in München zu entdecken!


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