Bier in der bairischen Sprache.

Aktualisiert: 20. Nov.



Die bairische Sprache soll mehr als 100 Wörter kennen, die mit Bier zu tun haben! Für Brot sollen es sogar noch mehr sein. Bier war und ist für viele Menschen ein Grundnahrungsmittel. Deshalb hat es auch seine Spuren in der Sprache hinterlassen.


Bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wird das Bayerische Wörterbuch (BWB) erstellt. Der Artikel zum "Bier" ist schon fertig. Schauen wir also nach, was dort zu lesen ist. Es finden sich so schöne Einträge, wie das "Noagerl", das bestimmt zum "Plempi" wird, je länger es im Maßkrug steht. Und dass Bierpichler biereln...das zu überprüfen, braucht es nur die Nase. "Flohbier" gab's nur an einem bestimmten Tag im Jahr, wie viele anderen Biere übrigens auch. Das Kirchenjahr oder der Wandel der Jahreszeiten, der die Arbeit in der Landwirtschaft bestimmte, bestimmte auch den Anlass, zu welchem ein Bier kredenzt wurde. Vielleicht wurden auch Anlässe "erfunden", um Bier spendiert zu bekommen?


Sie sind herzlich dazu eingeladen, diesen Wortschatz erweitern zu helfen:


Orte, wo's Bier gibt:

  • Bierkeller

  • Biergarten

  • Bierstüberl, Bräustüberl

  • Boazn (Kneipen gibt's nicht in Bayern, sie heißen hier "Boazn")

  • Bierdracha (unfreundliche Kellnerin)

  • Bierkrug, Bierkriagl (Bierseidl, Keferloher, Humpen)

  • Bierfilzl (Bierdeckel, Untersetzer)

Bier-Maße:

  • Maß Bier (ein Liter Bier; Maßkrug, Keferloher; bayerische Maß = 1,069 Liter, ab 1871 betrug die Maß = 1 Liter)

  • Halbe Bier (ein halber Liter Bier)

  • Quartel Bier (ein Viertelliter Bier; Dreiquartelprivatier ist eine verächtliche Bezeichnung für jemanden, der sich keine Maß leisten kann)

  • Schnitt(bier) (Ein gerade gehaltenes Glas wird solange unter den Zapfhahn gehalten, bis der Schaum den Glasrand erreicht hat. Auch: Letztes Bier vor dem Gehen)

Bier-Ausschank:

  • Radler-Maß (Helles mit Zitronenlimonade; Soll 1922 von Franz-Xaver Kugler in seiner Gastwirtschaft "Kugler-Alm" für Radfahrer erfunden worden sein.)

  • Saure Radler-Maß (Helles mit Mineralwasser)

  • Russn-Maß (Weißbier mit Zitronenlimonade; Der Legende nach während der Novemberrevolution 1918 in München im Mathäser an die Räte ausgeschenkt. Der Mathäser war damals ein Wirtshaus von Löwenbräu. Es darf angezweifelt werden, dass diese Geschichte stimmt, denn damals durften die Brauereien wegen der immer noch geltenden Rationierungen aufgrund der Kriegswirtschaft gar kein Weißbier produzieren. Löwenbräu braute das erste Weißbier nach dem Krieg erst 1927!)

  • Weißbier-Cola, Colaweizen

  • Feimbier (Foambier, Schaumbier vom Überlauf)

  • Pfenningbier

  • Drei-Heller-Bier

  • Tafelbier (wird bis zur Bezahlung an der Wirtshaustafel angeschrieben; "das Geld war weg, also kaufte er noch ein paar Maß Tafelbier")

  • Ganterbier (Bier von einem Bierfassl, das auf einer Balkenunterlage liegt)

  • Bauernbier

  • Klosterbier

  • Kommunbier, Zoiglbier

  • Fassbier

  • Handschuhbier (Weißbier aus einem kleinen Fass)

  • Schankbier, Gebbier

  • Freibier, Zechbier (kostenloses Bier)

  • Stehbier

  • Altes Bier („Altes Bier“ ist ein traditionelles, bayerisches Fest, das im Herbst gefeiert wird. Zum „Letzten Alten Bier“ bitten die Wirte im Bayerischen Wald und in Niederbayern von September bis Ende Oktober. Der Brauch stammt aus der Zeit vor der Erfindung der Kältemaschine. Damals konnten die Brauer nur in der kalten Jahreszeit Bier herstellen, zuletzt Ende März. Dieses „Märzenbier“ wurde stärker eingebraut, damit es den ganzen Sommer über frisch blieb. Nach der Hopfen- und Getreideente im Herbst produzierten die Brauer dann frisches Winterbier und die Wirte mussten in ihren Lagerkellern eiligst Platz schaffen. Also veranstalteten sie ein Fest, tischten herzhafte Gerichte auf und sorgten so dafür, dass das „Letzte Alte Bier“ dankbare Abnehmer fand.)

Bier-Ausschank zu kirchlichen Feiertagen:

  • Flohbier („Am Abend des Lichtmeßtages führte der Großknecht die Oberdirn zum Wirt und zahlte ihr das Flohbier, d.h. reichlich Essen und Trinken dafür, daß sich die Dirn beim Bettmachen der Mühe unterzogen hatte Flöhe zu fangen“)

  • Puchbier (im Fasching von den Madeln den Buam verehrt)

  • Pocherbier (am Aschermittwoch 1 bis 2 Eimer Bier kostenlos)

  • Georgibier (um Georgi, 23. April, herum ausgeschenktes Starkbier)

  • Grabl-, Graberlbier (an Karfreitag nach Besuch des Heiligen Grabes)

  • Kreuzleinbier, Osterbier, Weihbier (an Ostern)

  • Engeleinsbier (für die Kinder an Christi Himmelfahrt)

  • Kränzlein-, Kranzlbier, Antlaßbier (an Fronleichnam, die Mädchen werden von den Buben zechfrei gehalten)

  • Pfingstbier

  • Kirchweih-/Kirtabier

  • Heinzelbier (am Thomastag, 21. Dezember, Bier für die Armen)

  • Spendbier (an Heilig Abend, 24. Dezember)

  • Stefflesbier (am Stefanitag, 26. Dezember)

Bier-Ausschank zu sonstigen Anlässen:

  • Häftlein-, Haftlbier (wenn die Hochzeit ausgemacht war)

  • Stuhlfestbier (Umtrunk anlässlich des kirchlichen Aufgebots)

  • Kranzlbier (für die Brautjungfer)

  • Hochzeitbier (beim Hochzeitsmahl)

  • Abdank-/Odankbier (für alle, die das Brautpaar heimbegleiten)

  • Absingbier (beim Heimziehen wird gesungen, Hochzeiter zahlt dafür am nächsten Tag Bier)

  • Kindleinbier (bei einer Taufe)

  • Totenbier, Leichenbier (beim Leichenschmaus)

  • Dreibier (Nachmittags um 3 Uhr als Brotzeitbier)

  • Ernte-, Arn-, Arntbier, Heubier, Holzbier (nach Abschluss der Ernte)

  • Mahdbier (leichtes Bier für die MäherInnen)

  • Dresch-, Drescher-, Drischelbier (nach Abschluss des Dreschens)

  • Firstbier (beim Richtfest)

  • Fliegenbier (zum Fliegenfangen aufgestelltes Bier)

  • Kostbier (für Schüler oder für die Bierprobe/Bierprüfer)

  • Auszugsbier (für Austrägler)

Bier-Trinker:

  • Bierdimpfl, Biersieder

  • Picher, Pichler, Bierpichler, Ausbichda

  • Bierrausch

Bier-Sorten:

  • Braunbier, Rotbier (untergärig)

  • Helles Bier, Münchner Hell (untergärig)

  • Weißbier, Weizenbier, Kristallweißbier, Kristallweizen, Festweiße (obergärig, heute mind. 50% Weizen; der entscheidende Vorteil des obergärigen Bieres war, dass es auch im Sommer, zur Zeit des größten Durstes, gebraut werden konnte)

  • Mischlingbier (obergärig, aus Gersten- und Weizenmalz)

  • Bockbier, Maibock (untergärig, Oabock, 16% - 18% Stammwürze)

  • Starkbier, Doppelbier, Doppelbockbier, Salvator (untergärig, mind. 18% Stammwürze, Heilig-Vater-Bier (-Öl); in der Regel enden die Namen der Doppelbockbiere wie der Salvator auf die Silbe -ator)

  • Weizendoppelbock, Aventinus, da Aff' (obergärig, > 18% Stammwürze)

  • Eisbock (obergärig, > 20% Stammwürze)

  • Winterbier (untergärig, durfte nur von Michaeli bis Georgi gebraut werden, also vom 29. September bis 23. April. Untergäriges Bier war haltbarer als obergäriges Bier, es brauchte aber niedrige Temperaturen zum Gären, konnte also nur im Winter gebraut werden. So wurden am Ende des Winters im März große Mengen Bier auf Vorrat gebraut und in Kellern und Höhlen gelagert, um die Bierversorgung im Sommer sicher zu stellen.)

  • Märzen (untergärig, letztes Winterbier Ende März: Dieses „Märzenbier“ wurde stärker eingebraut, damit es den ganzen Sommer über frisch blieb. Letztes Märzen war das "letzte Alte Bier")

  • Wiesnbier, Oktoberfestbier(-Märzen) (untergärig; Zusammenhang von Märzen und Oktoberfestbier früher: Im März gebraut, über den Sommer gelagert, im September/Oktober wurden auf der Wiesn die letzten Fässer dieses Biers "versoffen". Heute wird extra Oktoberfestbier gebraut.)

  • Sommerbier, Lagerbier (zwischen April und September gebrautes (Weiß)bier; auch: letztes im März gebrautes Winterbier, das für den Sommerausschank bestimmt)

  • Vollbier (11% - 16 % Stammwürze)

  • Frischbier (musste bald verzehrt werden)

  • Mittelbier (dünnes Bier vom zweiten Sud einer Maische)

  • Afterbier (dünnes Bier vom letzten Sud einer Maische)

  • Germbier (Die bei der Hefegewinnung erzeugte Flüssigkeit zu einem geringeren Preis verkauft)

  • Nährbier (alkoholarm, früher als diätetisches Lebensmittel verkauft; Hacker-Pschorr produzierte ein Nährbier bis 2008; vgl. Eierbier, Malzbier, Doppelcaramel)

Bier-Abfüllung, -Lagerung, -Transport:

  • Bierfassl (die in der Picherei gepicht werden)

  • Bierbanzen, Banzn (großes Bierfass)

  • Hirsch (Holz-Bierfass mit einem Fassungsvermögen von 200 Litern; zur Oktoberfesteröffnung zapft der Münchner OB traditionell einen Hirschen an)

  • Reherl, Haserl (kleinere Bierfässer mit einem Fassungsvermögen von 15/30/50 Litern)

  • Flaschenbier

  • Buttelbier

  • Bierkistl, Biertragl

Bier-Qualität:

  • Plempl, Plempibier (schlecht und abgestanden)

  • Noagerl, Noaglbier, Neigbier

  • Müdes Bier

  • Scheps, Afterbier, Halbbier, Kofentbier, Nachbier

  • Brentenbier, Tröpflbier (vom Hahn, abgestandenes Bier)

  • Grändleinbier, Grantlbier

  • Dünnbier, Seichbier ("Vom Soachbier säufst drei Maß Bia und bam Soacha werns via!")

Bier-Speisen:

  • Bierbratl (Schweinebauch mit Biersoße)

  • Warmes Bier / Eierbier (aus Eiern und Bier, vgl. Nährbier)

  • Honigbier (warmes Bier mit Honig)

  • Krenbier (zur Blutreinigung ein Branntweinglas Krenbier aus geriebenem Kren mit Honig in einem Liter Bier gekocht)

  • Wermutbier (Bier mit Wermut)



Bildnachweis: Münchner Wirtshausszene an der Fassade der Bierwirtschaft Donisl, Weinstraße 1, Sgraffito, Max Lacher, 1954


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