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Automobile für den Prinzregenten.

Aktualisiert: 30. Dez. 2022

Boxenstopp: Kohlstraße Ecke Erhardtstraße


1898 eröffneten die Im- und Export-Kaufleute Hermann und Herbert Daniel Beissbarth eine Autohandelsfirma in München. Sie war die erste ihrer Art in der Stadt, hatte ein "reichhaltiges Angebot an Wagentypen und Pferdestärken" (Münchner Handels- und Gewerbe-Adreßbuch von 1918) und wurde schnell zu einer Wagenbau- und Maschinenfabrik ausgebaut.


Im Jahr nach der Firmengründung, 1899, erhielt Hermann Beissbarth den ersten Auto-Führerschein Münchens mit der Nr. 1 und die Zulassung für seinen Wartburg-Motorwagen. (Vgl. 1888 erhielt Karl Benz für das Fahren seines Motor-Dreirads den ersten Auto-Führerschein Deutschlands.)


Limousine mit Selbstanlasser, Modell aus dem Jahr 1912. Ein Modell mit Selbstanlasser bestellte auch Prinzregent Luitpold und bekam es 1912 von den Gebrüdern Beissbarth geliefert. Aus: Münchner Neueste Nachrichten, Vorabendblatt, 10. März 1012



Als die Gebrüder Beissbarth ihre Automobilfirma in München gründeten, herrschte Prinzregent Luitpold in Bayern. Dieser griff auf die Beissbarths zurück, wenn er mit einem Automobil ausfahren wollte. Und die stellten dann auch den kundigen Fahrer zur Verfügung. Damit war ab März 1912 Schluss. Der Prinzregent nahm sein erstes eigenes Automobil in Empfang, das er – wie sollte es anders – bei den Gebrüdern Beissbarth bestellt hatte. Die Limousine kam mit einem Mercedes-Motor und einer Beissbarth-Karosserie und brachte deren Maschinenmeister um einen honorigen "Nebenjob", bei dem es darum ging, den Prinzregenten zu chauffieren. Der Rosenheimer Anzeiger veröffentlichte in der Ausgabe vom 13. März 1912 einen ausführlichen Bericht dazu:


"Bisher wurde der Regent bei seinen Automobilfahrten von dem Maschinenmeister der Firma Beißbarth, Tiefenthaler, gefahren; mit der Uebernahme eines eigenen Automobils erhält der Regent auch einen Chauffeur, der seine Ausbildung bei Beißbarth erhalten hat."

Die Firma "Gebrüder Beissbarth" gehört zu den Automobil-Pionieren in Bayern. Bereits 1905, sieben Jahre, nach ihrer Gründung, warben sie damit, dass die "Aelteste Firma der Autombilbranche in Bayern" zu sein. Folgende Orte in München, sind mit den Automobilpionieren verbunden:


Thierschstraße 23: Sitz der Kaufleute Hermann und H. Daniel Beissbarth zur Zeit der Firmengründung. Das "Geschäft" befand sich in der Sonnenstraße 2. (Vgl. Münchner Adreßbuch von 1900).


Kohlstraße 2: 1904 zogen die Gebrüder Beissbarth um in das Gebäude der ehemaligen Militär-Reitschule. Dort konnten sie ihre Firma ausbauen. Die Fläche von 2.000 qm bot genug Platz, um den Verkaufs- und Ausstellungsbereich zu erweitern, eine Einstellhalle für Autos anzubieten und eine Auto-Fahrschule. Die Werbeanzeige stammt aus dem Handels- und Gewerbe-Adreßbuch des Jahres 1905.


Tegernseer Landstraße 210: 1913 erweiterten die Gebrüder Beissbarth ihren Geschäftsbereich und bauten einen zweiten Standort in der Stadt auf. Dort befanden sich die Wagenbau- und Maschinenfabrik.


1960 erfolgte der bisher letzte Umzug in die Hanauer Straße 101, wo sich der Firmensitz noch heute befindet.



Im Stadtarchiv München hat sich eine Fotografie der Autohalle in der Kohlstraße erhalten. Sie befand sich in der ehemaligen Militär-Reitschule der Neuen Isarkaserne. Deren Gelände erstreckte sich zwischen Zweibrücken-, Erhardt- und Kohlstraße und beherbergte das 1. Schwere-Reiter-Regiment "Prinz Karl von Bayern". Die Neue Isarkaserne wurde zwischen 1818 und 1902 militärisch genutzt, die Reitschule war ein Erweiterungsbau von 1854.


  • Auto-Halle der Gebrüder Beissbarth an der Kohlstraße 2, 1912. Quelle: Stadtarchiv München

  • Das Foto zeigt, wie die Max-II-Reitschule in den letzten Jahren ihrer militärischen Nutzung aussah (um 1899/1902), aus: Christian Lankes, München als Garnison im 19. Jahrhundert


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