Eine neue Kirche für Unsere Liebe Frau! Bürger und Herzog bauen eine Kirche in München.

Aktualisiert: 25. Apr.

"Wir haben vernumen, ir wellet unser frauen ainen merclichen pau tuen",




diese Worte schrieb einst Caspar Ayndorfer, der Abt des Klosters Tegernsee, dem Rat der Stadt München. Als gebürtiger Münchner war er vielleicht auch persönlich interessiert an den Neubauplänen für die Frauenkirche. Heute kann sich jeder selbst davon überzeugen, was für ein "merclicher" (besonderer) Bau in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden ist: fest im Boden verankert, dennoch himmelwärts strebend und mit welschen Hauben bekrönt. Einmalig und unverwechselbar, wer die Frauenkirche sieht, weiß, dass er ein Bild von München vor sich hat.




Als die Frauenkirche gebaut wurde, bestand Baiern noch nicht in den heutigen Grenzen und wurde von mehreren Herrschern regiert. München war lediglich Hauptstadt des Landesteils Baiern-München oder Oberbayern. Die anderen bairischen Residenzstädte Landshut, Ingolstadt, Straubing und Burghausen hatten bereits begonnen, bedeutende neue Kirchen zu errichten: St. Jakob in Burghausen, St. Martin in Landshut, St. Jakob in Straubing, und die Obere Pfarr, das Liebfrauenmünster, in Ingolstadt. Die enge Nachbarschaft von Bürgern und Herzog in den Residenzstädten brachte es mit sich, dass sich beide Parteien an den repräsentativen Kirchenneubauten zur Mehrung des eigenen Ansehens beteiligten.


München war im 15. Jahrhundert selbstbewusste Bürgerstadt! Das Engagement der Bürger war entscheidend dafür, dass die neue Frauenkirche in nur 20 Jahren fertiggestellt werden konnte. Lassen Sie sich an der Hand nehmen von den Bürgern der damaligen Zeit und erkunden Sie gemeinsam mit ihnen den Bau! Sie erfahren dabei, wo man zu bauen begann und welche Schritte gemacht wurden bis zur Fertigstellung. Darüber hinaus wird Ihnen berichtet, welche Familien die einzelnen Seitenaltäre ausstatteten. Und natürlich erfahren Sie so auch, wie sich das Leben in der Stadt neben einer Großbaustelle des Spätmittelalters gestaltete.


Was erfahren Sie auf diesem Rundgang?

  • Der Name der Kirche. „Frauenkirche“ oder „Dom zu Unserer Lieben Frau“? Beides ist richtig! Ist sie Pfarrkirche oder Bischofskirche oder beides? Wissen Sie, wieviele Marienkirchen es in der Erzdiözese München und Freising gibt?

  • Die äußere Gestalt der Kirche. Chor, Fensterwände, Türme und Dachstuhl führen uns die Magie der Geometrie vor Augen.

  • Die überirdischen Kräfte, die zum Bau der Kirche beitrugen. Damit hängt die Sage vom "Teufelstritt" zusammen.

  • Die irdischen Kräfte, die zum Bau der Kirche beitrugen. Bürgerinnen und Bürger, Ratsherren, Bürgermeister, Pfarrer, Stiftsherren, Handwerker, Herzöge...

  • Die liturgischen Handlungen. Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen. Wissen Sie, wo sich das Brautportal befindet? Und was es damit auf sich hat(te)?

  • Die Heiligen. Wissen Sie, seit wann es einen Stadtpatron gibt und wo er herkommt?

  • Die Funktionen der Frauenkirche jenseits des Gottesdienstes. Sperrstunden, Feuer, Feindgefahr...

  • Der Klang der Frauenkirche. Wissen Sie, welche berühmte Glocke kurz nach Fertigstellung in die Kirche kam und heute noch erschallt?​


​Ich freue mich auf den Rundgang mit Ihnen!




Der Bau der Frauenkirche dauerte von 1468 bis 1488. Was passierte in dieser Zeit sonst noch? Hier eine Auswahl:

  • Das bairische Wappentier grüßte mit echtem Gebrüll aus der Burggasse! Zwei Löwen schafften es, aus dem Zwinger beim Herzogshof (heute: Alter Hof) auszubüxen! Leider ist nicht bekannt, wie sie wieder eingefangen wurden. Exotische Tiere waren übrigens sehr beliebt bei Hofe!

  • Es gab jede Menge Tiere in der Stadt, auch Schweine. Während der Bauzeit der Frauenkirche wurde festgelegt, dass zukünftig nur mehr vier Schweine, für jedes Stadtviertel eines, mit einem Glöckchen um den Hals durch die Gassen sausen durften. Wissen Sie, wie die vier Altstadtviertel heißen?

  • Hunde waren überall in der Stadt unterwegs, sogar in den Kirchen. Dies ist bis heute an der Decke der Frauenkirche zu sehen, von der nicht nur Menschen herabschauen! Schauen Sie sich doch mal die Konsolfiguren unten an. Wer findet den Hund?

  • Die Stadt München kaufte 140 Hecht-Setzlinge und stieg damit in die Fischzucht ein. Neben der Stadt fanden das auch die Fischotter gut, nach denen bald eifrig im Stadtgraben gesucht wurde.

  • Der regierende Herzog von Baiern-München, Albrecht IV., heiratete Kunigunde von Habsburg, die Tochter des amtierenden Kaisers. Sie war die Schwester des berühmten Kaisers Maximilian I., der seine Nachkommen politisch klug verheiratete und damit die Grundlage schuf für das Weltreich der Habsburger.

  • Die "älteste und natürliche Baiernhauptstadt", gemeint ist Regensburg, begab sich "unter die herzogliche Hoheit" von Albrecht IV., dies allerdings nur vier Jahre lang.

  • Hopfen, Gerste und Wasser sollen es sein! Nur noch diese Zutaten sollten die Münchner Brauer von da an fürs Bierbrauen verwenden. Einige Jahrzehnte später galt das dann für ganz Baiern und ging als „Reinheitsgebot“ in die Geschichte ein.

  • Das Licht der Welt erblickten: Martin Luther in Eisleben und Albrecht Dürer in Nürnberg.

  • Mit der Bildung der bairischen Untertanen ging es aufwärts. Die Universität zu Ingolstadt wurde gegründet und bald auch bei Münchnern begehrter Ausbildungsort.

  • Das erste in München gedruckte Buch erschien. Es handelte sich um einen Reiseführer für die Stadt Rom, die bekanntermaßen der wichtigste abendländische Wallfahrtsort ist. Dort befinden sich schließlich die Gebeine des heiligen Petrus!

  • Der in München wohnende Chronist und Maler Ulrich Fueterer war extrem produktiv: neben dem "Buch der Abenteuer" in 41.500 Versen verfasste er auch eine "Baierische Chronik". Darüber hinaus bemalte er große Wände: die des Rathauses und des Rathausturms und gestaltete den Wappenfries im Tanzsaal.

  • Der Marienplatz bekam sein heutiges Aussehen, hieß aber noch Schrannenplatz. An seiner Ostseite wurde zeitgleich zum Bau der Frauenkirche das Tanzhaus (heute: altes Rathaus) errichtet.

  • Überhaupt wurde viel gebaut und auch fertiggestellt: die Bauarbeiten an der Zwingermauer wurden beendet. München hatte nun eine doppelte Stadtmauer. Wissen Sie, wo Sie das noch sehen können? Beim Isartor! Mit ein bisschen Phantasie ist das möglich.

  • Nicht nur Sonnenuhren gab es damals in München: die zweite öffentliche Uhr wurde an der Frauenkirche angebracht.

  • Die Pest war längst endemisch beheimatet in Baiern und auch während des Baus der Frauenkirche kam es zu einem Ausbruch. Viele der Toten wurden bei der Frauenkirche beerdigt, die aber noch gar nicht fertiggestellt war. Das führte dazu, dass sich auf gemeinsame Bitten von Bürgern und Herzog der Papst einschaltete. Er verfügte, dass alle neuen Gräber bei der Frauenkirche wieder aufgelöst wurden, um die Stabilität des neuen Kirchenbaus nicht zu gefährden. Es durfte nur begraben werden, wer schon in der Vorgängerkirche begraben war.

  • Zwei neue Friedhöfe entstanden: für die Peterspfarrei an der Allerheiligenkirche zum Kreuz, für die Frauenpfarrei an der Salvatorkirche.

  • Die Fronleichnamsprozession bekam erstmals eine Prozessions-Ordnung. Damit wurde die Marschreihenfolge der in religiösen Bruderschaften organisierten Handwerker geregelt.



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