Endlich Dom! München wird Bischofssitz und die Protestanten werden heimisch.

Aktualisiert: 25. Apr.

1821 war es soweit!


Die Frauenkirche wurde zur Kathedrale erklärt. Sie war damit zum Bischofssitz der neuen Erzdiözese München und Freising geworden. Das können Sie in der Kirche daran sehen, dass sich die Kathedra, der Sitz des Bischofs, darin befindet. Der für München zuständige Bischof war bis 1803 in Freising beheimatet gewesen, seit Bonifatius 739 die Bistumsorganisation erlassen hatte. Was war Anfang des 19. Jahrhunderts passiert?




1821 war das Königreich Bayern 15 Jahre alt und der Einfluss der Kirche wurde seit Jahrzehnten staatlicherseits zurückgedrängt. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung war Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Säkularisation erreicht worden, als das Ende für viele Klöster in Bayern gekommen und ihr Besitz vom Staat eingezogen worden war. Die Erhebung der Frauenkirche zum Liebfrauendom erfolgte vier Jahre bevor König Ludwig I. den Thron bestieg. Mit ihm bekam die katholische Kirche in Bayern wieder einen großen Förderer! Während seiner Regentschaft lebten mehr als 130 Klöster wieder auf oder wurden neu gegründet. Er ließ die erste katholische Kirche seit der Säkularisation und auch die erste evangelische Kirche Münchens bauen! Aus dieser evangelischen Kirche wurde hundert Jahre später der Sitz des evangelischen Landesbischofs in Bayern. Damit verfügt München heutzutage über zwei Bischofskirchen.




Wie kam es dazu, dass um 1800 innerhalb weniger Jahrzehnte möglich war, was vorher in Jahrhunderten nicht geschafft wurde? Dafür sorgte ein Franzose, der am Beginn des modernen Bayerns steht.

Aus der Perspektive Ludwigs I. lässt sich das, was sich veränderte, gut erkennen. Er kam 1786 auf die Welt und erlebte als Kind und Jugendlicher, wie sich die Landkarte Deutschlands vollkommen änderte. Bis 1806 bestand Deutschland aus einer Vielzahl von Kleinstaaten, die organisatorisch zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörten. An der Spitze dieser Staaten standen entweder weltliche Herrscher wie die Kurfürsten von Bayern oder kirchliche Amtsträger wie der Bischof von Freising. Zusammengehalten wurde dieser Staatenbund durch die Person des Kaisers. Die Kriege Napoleons veränderten die Landkarte Mitteleuropas stark. 1806 hörte das Heilige Römische Reich auf zu bestehen und neue Staaten traten an seine Stelle. Neben zahlreichen Klöstern hörten auch Hochstifte wie Freising auf zu bestehen, kirchlicher Besitz wurde aufgelöst und die dabei erzielten Gewinne dem Staat gutgeschrieben. Bayern blieb als Staat bestehen und konnte seinen Landbesitz durch Bayerisch-Schwaben und Franken vergrößern. Damals entstand das heutige, moderne Bayern.

1806 wurde das Königreich Bayern ausgerufen. Diesem gehörte nun auch Freising an. Es dauerte noch ein paar Jahre bis die Kriege beendet waren und Frieden herrschte. Das Gebiet der Diözesen in Bayern wurde neu eingeteilt. Seitdem gehört auch Berchtesgaden zu Bayern! Die ehemalige Fürstpropstei wurde der neu geschaffenen Erzdiözese München und Freising zugeschlagen. Das katholische Bayern bekam 1806 einen König, dessen Vater einst vom Protestantismus zum Katholizismus konvertiert war. Damit nicht genug: König Max I. Joseph hatte eine evangelische Ehefrau, die Königin im katholischen Bayern wurde! Mit Caroline von Bayern wurde die protestantische Konfession 1799 heimisch in München. Exakt 244 Jahre nach dem Augsburger Religionsfrieden! Und 167 Jahre nach dem ersten protestantischen Gottesdienst in der Münchner Residenz, der in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges für den Besatzer König Gustav Adolf von Schweden zelebriert worden war. Max I. Joseph hatte einst mit den Worten "er wünsche sich eine protestantische Frau, um in Bayern die Toleranz einzuführen" um die Hand seiner zweiten Frau Caroline angehalten. Dass man Toleranz nicht einmal auf höchster Ebene einführen kann, erfuhren die Könige von Bayern als Caroline 1841 beerdigt wurde!

Toleranz zu üben, ist immer ein topaktuelles Thema! Was meinen Sie? Meine Mutter war evangelisch, mein Vater katholisch. Übung in Bezug auf die religiöse Toleranz bringe ich mit!





Natürlich machen wir auch einen Abstecher in die beiden Bischofskirchen Münchens und erkunden die Innenräume nach Spuren vergangenen gesellschaftlichen Lebens. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein war das Kirchenjahr Taktgeber des gesellschaftlichen und politischen Lebens.




Wir werden auch die evangelische Kirche St. Matthäus besuchen. Der erste Kirchenbau aus dem 19. Jahrhundert ist nicht mehr erhalten; er wurden von den Nationalsozialisten beseitigt. Die evangelische Gemeinde musste nach der NS-Diktatur noch einmal um ihre Hauptkirche in München kämpfen.

Lassen Sie uns Bekanntschaft machen mit der Kirche und den Menschen des 19. und 20. Jahrhunderts.

Ich freue mich auf Sie!

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