"iederman wolt gen hymmel"! Unterwegs zu Heiligen in München.

Aktualisiert: 27. Apr.




"Zum Empfang der Gebeine des hl. Benno hat Herzog Albrecht am Isartor eine Triumphpforte errichten lassen. Der herzogliche Hof, der gesamte Klerus der Stadt und eine riesige Volksmenge holen die Reliquien unter Läuten aller Glocken und feierlichen Chorgesängen ein.“



So erzählt es der Stadtschreiber für das Jahr 1576. Vier Jahre später wurde der heilige Benno zum Stadtpatron erklärt und eine Wallfahrt zu seinem Altar in der Frauenkirche eingerichtet. Die Benno-Wallfahrt veränderte den damals erst knapp 100 Jahre alten Bau der Frauenkirche noch einmal erheblich! Heutzutage wird das Bennofest immer zeitgleich mit dem Stadtgründungsfest im Juni begangen.



Reliquien werden auch heute noch gesammelt!


Im Heiligen Römischen Reich entwickelten sich Aachen, Köln und Trier zu bedeutenden Orten der Reliquienverehrung im deutschsprachigen Raum. Mit der Bedeutung dieser Orte konnte München nicht mithalten. Aufgrund der Anzahl der hier aufbewahrten und verehrten Reliquien galt es jedoch als Rom des Nordens.


Der heilige Benno war nicht der erste, dessen Reliquien nach München kamen, und auch eine Wallfahrt versuchte man bereits 1390 einzurichten. Damals wurde der Reliquienschatz der Grafen von Andechs-Meranien öffentlich präsentiert. Der Papst gewährte für die Aufbewahrung der Heiltümer ein Gnadenjahr, in welchem man auf "Romfart ze Münichen" gehen und durch den Besuch von vier Münchner Kirchen einen Ablass erwerben konnte:

"... es ist ze mercken das so vil pilgerin kamen von vere und von nahe, die den ablos suechten ... man miest 7 tag beleiben, und alle tag in 4 kirchen gan, und ir almuesen darin lassen... Es was alles nu um das geld ze thun, ... dan iederman wolt gen hymmel."

Die Andechser Reliquien gingen nach ein paar Jahrzehnten in München wieder zurück auf den heiligen Berg, der sich zu einer der bedeutendsten Wallfahrtsstätten Bayerns entwickeln sollte. Dort kann der Heiltumsschatz auch heute noch bewundert werden. Anschließend bietet sich an, mit einem Bier aus der Klosterbrauerei darauf anzustoßen.

Neben den beiden Münchner Pfarrkirchen wurden auch die in der Stadt ansässigen Klöster mit bedeutenden Reliquien ausgestattet.


So befand sich im Franziskanerkloster der Oberarmknochen des heiligen Antonius von Padua, den Kaiser Ludwig der Bayer 1330 aus Italien mitgebracht hatte. Wenn wir uns mit den Franziskanern beschäftigen, verstehen wir, wie eng Religion und Politik einst zusammenhingen. Aus den Reihen der Franziskaner fungierten einige als kaiserliche Beamte und berieten Ludwig den Bayern. Hier wird deutlich, dass Klöster nicht nur Zentren des Glaubens waren, sondern auch Wirtschaftsbetriebe, die in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Verwaltung Spezialisten hervorbrachten. Neben ihrem politischen Engagement machten die Franziskaner auch Furore mit ihren Predigten. Diese betrachteten die städtischen Pfarrer als Konkurrenzveranstaltung. Sie erreichten 1489, dass die Franziskaner an manchen Vormittagen auf ihre Predigten zugunsten der städtischen Pfarrer verzichteten.

Wollen Sie noch mehr Heilige und heiligmäßige Geschichten in München entdecken? Vielleicht erfahren wir dabei auch etwas über die den Bayern innewohnende Lebenskunst der Scheinheiligkeit? Oder erfahren, seit wann Männer in Bayern mit zweitem Vornamen Maria getauft werden? Oder erfahren, was eine Heilige Stiege, eine "scala sancta" ist, und wo diese in München zu finden war?

Ich freue mich, wenn wir gemeinsam auf Zeitreise heiligmäßige Zeiten gehen. Dabei sehen wir, dass die Verehrung von Reliquien nicht auf das Mittelalter beschränkt, sondern immer noch aktuell ist!

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