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Jean Strobel gründet Münchens erste Velo-Fabrik!

Aktualisiert: 31. Dez. 2022


Boxenstopp: Erzgießereistraße, Ecke Dachauer Straße, oder Landwehrstraße


Münchner Neueste Nachrichten vom 31. Mai 1890



Ab den 1880er-Jahren stiegen zahlreiche Unternehmen in Bayern in die Fahrradproduktion ein. Eine der ersten Fahrradfabriken Bayerns entstand in Neumarkt in der Oberpfalz und wurde von den Brüdern Goldschmidt, Carl Marschütz und Eduard Pirzer gegründet. Letzterer ging später mit seinem Bruder Franz-Xaver nach München und gründete dort 1887 die "Monachiafahrradwerke Gebr. Pirzer".


Zu einer der führenden bayerischen Städte im Fahrradbau wurde Nürnberg. Hier entstanden u.a. die Victoria-Werke, Hercules-Werke und Triumph-Werke.


Veloziped-Fabrikation in München


In München engagierte sich in den 1880er-Jahren der Nähmaschinenfabrikant Jean Strobel im Fahrradhandel und -bau. Laut Eintrag in der Bayerischen Handelszeitung vom Jahr 1883 betrieb der Kaufmann Johann Strobel aus München unter dem Namen "Jean Strobel" ein Nähmaschinen-Handelsgeschäft. Bis September 1883 schaltete er nur Anzeigen für seine Nähmaschinen:


Münchner Neueste Nachrichten vom 12. September 1883


Ab Oktober 1883 änderte sich das. Jetzt tauchten neben den Anzeigen für Nähmaschinen auch solche auf, die für Velozipede mit passendem Zubehör warben:


Münchner Neueste Nachrichten vom 18. Oktober 1883


Interessant ist, wie die Firma Jean Strobel das Veloziped-Geschäft in den nächsten Jahren ausbaute. Auch Rückschritte wurden verkraftet und nicht als Entmutigung angesehen. Jean Strobel-Velozipede wurden 1886 sogar dem Polytechnischen Verein in München vorgestellt:


Münchner Neueste Nachrichten vom 14. April 1886 (Sitzung des Polytechnischen Vereins war am 12. April 1886)


1886 war ein wichtiges Jahr für Jean Strobel: Er wurde von der Fachwelt wahrgenommen! Neben dem Polytechnischen Verein berichtete auch das Bayerische Industrie- und Gewerbeblatt auf drei Seiten mit Bild von Jean Strobels Velozipeden:


Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, Nummer 25, 1886


Als nächsten Schritt gründete er 1887 zusammen mit einem Geschäftspartner die "Münchener Velozipedfabrik Jean Strobel und Cie".


Münchner Neueste Nachrichten vom 17. Dezember 1887


Die Firma zog von der Landwehrstraße in die Erzgießereistraße um, errichtete dort neben der Fabrik auch eine eigene Rennbahn und bekam 1888 einen Auftrag für die Lieferung von "Bicyclettes für den Militärdienst":


Münchner Neueste Nachrichten vom 10. Mai 1888


Zwei Monate nach diesem Auftrag wurde am 14. Juli 1888 das Konkursverfahren über die Firma eröffnet (vgl. Reichsanzeiger, Konkurse in Bayern 1888). Inwieweit dieser Auftrag dafür verantwortlich war, konnte noch nicht herausgefunden werden.


Jean Strobel ließ sich nicht entmutigen und hielt weiterhin an seinen beiden Standbeinen fest: Nähmaschinen und Fahrräder. Der gerichtliche Vergleich im Konkursverfahren kam am 5. Dezember 1888 zustande. Bereits mit Wirkung zum 1. Dezember 1888 hatte er unter dem Namen "Münchener Velozipedfabrik" seine Fahrradfabrik neu gegründet, um darüber den Abverkauf seiner Fahrräder laufen zu lassen:


Münchner Neueste Nachrichten vom 16. November 1888


Er baute nun sein Geschäft so aus, dass er neben der Produktion eigener Fahrräder auch die anderer Hersteller vertrieb, wie Germania. Auch die Zusammenarbeit mit der Armee wurde wieder aufgenommen. 1890 lieferte er "Militär-Maschinen" an das königlich-bayerische Artilleriedepot in Ingolstadt und die Garnisons-Verwaltung.


Des Weiteren veröffentlichte er weiterhin Artikel zur Technik des Fahrrads. 1896 erschien im Bayerische Industrie- und Gewerbeblatt "Laufmantel für Luftgummireifen":


Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, Nummer 5, 1896








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