Kirche und Wirtshaus im München der Barockzeit!

Aktualisiert: 29. Mai

„Die Königin ist rehabilitiert!"

In dem Ausspruch des evangelischen Landesbischofs Johannes Friedrich liegen Freude und Genugtuung anlässlich der Umbettung von Königin Therese von Bayern. Am 12. November 2002 war deren Sarg in der Kirche St. Bonifaz aus seiner Gruft hochgeholt und auf gleiche Höhe mit dem ihres Gatten, König Ludwig I., gehoben worden. Seitdem ruht das ehemalige bayerische Königspaar, das verschiedenen Konfessionen angehörte, nebeneinander. Schöner könnte nicht zum Ausdruck kommen, dass Katholiken und Protestanten seit Anfang des 19. Jahrhunderts gleichberechtigt nebeneinander stehen und ein jeder seine Religion öffentlich ausüben darf. Manchnmal dauert die praktische Umsetzung der Gleichberechtigung halt seine Zeit!


Wie beerdigt wird, sagt also immer etwas über gesellschaftliche, religiöse und politische Verhältnisse aus. Die Umbettung von Therese von Bayern ist allein schon deswegen interessant, weil man bei den Beerdigungen der evangelischen Königinnen Bayerns im 19. Jahrhundert phasenweise einem armseligen Theater näher war als einer würdevollen Zeremonie. In beiden Fällen war es ein Problem, wie der Sarg in die Kirche gelangen sollte. Wir schauen uns vor Ort genau an, wie man das damals gemacht hat.

Nun wissen wir, dass es bis in unsere Zeit hinein schwierig sein konnte, eine würdevolle Beerdigung zu bekommen. Sogar, wenn man an der Spitze der Gesellschaft stand! Schauen wir zurück. Schauen wir zurück! Wie wurde das "Theater des Todes" bei den bayerischen Herzögen und Kurfürsten der Barockzeit praktiziert?

Wir besuchen die Frauenkirche, die einst von Kaiser Ludwig dem Bayern zur Grablege seiner Familie bestimmt worden war. Dazu begeben wir uns vor Ort gedanklich ins 14. Jahrhundert. Wissen Sie, wo die Überreste des Hochgrabs seiner Gattin zu finden sind? Sie war die erste Wittelsbacherin, die 1322 in der Frauenkirche beerdigt wurde. Ihr berühmter Gatte, Ludwig der Bayer, ist immer noch prominent vor Ort vertreten: Sie erfahren, was ein leeres Grab ist und, warum genau dieses so wichtig für die Dynastie der Wittelsbacher in München war. Religion und Politik und ihre wechselseitige Beeinflussung lassen sich hier in spannenden Geschichten erzählen.​




Ein ganz besonders interessantes Grabmalsprojekt erwartet uns in der Michaelskirche (siehe Bild oben). Hier wollte einst der Stifter der Kirche, Herzog Wilhelm V., für sich und seine Frau ein Grabdenkmal im Presbyterium in unmittelbarer Nähe des Altars errichten lassen. Die einzelnen Teile dieses Denkmals sind über die Altstadt verteilt, und wir werden es wieder zusammensetzen. Ein Plan wird uns dabei helfen! In der Fürstengruft der Michaelskirche liegt der wahrscheinlich weltweit bekannteste Wittelsbacher und bayerische König, Ludwig II., begraben. Sein mysteriöser Tod im Starnberger See beschäftigt Menschen noch heute und auf unserem Rundgang auch uns. Dabei erfahren Sie auch, wer die Guglmänner sind.




Die Theatinerkirche ist die Votivkirche für die Geburt des Kurprinzen Max Emanuel 1662. Sie wurde neben den bereits erwähnten Kirchen auch zu einer der Begräbnisstätten der Kurfürsten und Könige von Bayern. Mit ihrem Bau brachte man öffentlich zum Ausdruck, dass Gott die Thronfolge im Kurfürstentum Bayern aufrecht erhalten hatte. Die Kirche verfügte in früheren Zeiten auch über eine Heilige Stiege. Wissen Sie, was das ist, und wo Sie heute noch Heilige Stiegen in Bayern finden können? Sie erfahren, wo genau sich die "Scala Sancta" in der Theatinerkirche befand.

Die Spezialisten unter Ihnen wissen natürlich, dass nicht alle sterblichen Überreste der Wittelsbacher in einen Sarg gebettet wurden. Besonders beeindruckend inszenierte man die Trauerfeierlichkeiten in der Barockzeit. Ein barockes "Theater des Todes" wird Ihnen als Höhepunkt unserer Führung vorgestellt. Sie erfahren dabei auch, wofür ein Marterzimmer gebraucht wurde, und wo es sich befand.

Sind Sie bereit für a scheene Leich? Dann wollen wir uns nach der ausgiebigen Beschäftigung mit Trauerfällen endlich dem Leichenschmaus widmen. Dafür bemühen wir noch einmal Herzog Wilhelm V., dem wir in der Michaelskirche intensiv begegnet sind. Er kümmerte sich neben seinem monumentalen Grabmalsprojekt auch um das Bierbrauen in Bayern und gründete das erste Hofbräuhaus in München. Dieses wurde von seinem Sohn, Maximilian I., um ein eigenes Brauhaus für das Weißbierbrauen erweitert. Lassen wir es ausklingen bei den besten Weißbiersorten Münchens, die uns im Weissen Bräuhaus im Tal serviert werden. Kommen Sie zahlreich, denn so ist es Brauch bei einer schönen Leich!


Nach der Führung wissen Sie, dass zu einer würdevollen Beerdigung immer auch ein Wirtshausbesuch gehört. Die Art und Weise wie beerdigt wurde, sagt einiges über die jeweilige Zeit und über die politischen, religiösen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Bayern aus. Die großen Grabmalsprojekte der Wittelsbacher in München sagen uns darüber hinaus auch noch, dass Religion immer politisch war!


1 Ansicht0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen