Kirche und Wirtshaus im München der Biedermeierzeit!

Aktualisiert: 29. Mai

"Ich freue mich, die Gelegenheit zu haben, eine Kirche zu bauen, weil die Religion nicht blos in unserm Innern wohnen, sondern auch äußerlich geübt werden soll."

Diese Worte König Ludwigs I. zum Bau der Allerheiligen-Hofkirche in München (siehe Bild oben) machen deutlich, welchen Stellenwert er der Religionsausübung seiner Untertanen beimaß. Schauen wir uns an, welche Kirchenbauprojekte er in Angriff nahm und aus welchen Gründen.

Ludwig I. kam 1786 auf die Welt und erlebte als Kind und Jugendlicher, wie sich die Landkarte Deutschlands vollkommen änderte. Bis 1806 bestand Deutschland aus einer Vielzahl von Kleinstaaten, die organisatorisch zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörten. An der Spitze dieser Staaten standen entweder weltliche Herrscher wie die Kurfürsten von Bayern oder kirchliche Amtsträger wie der Bischof von Freising. Zusammengehalten wurde dieser Staatenbund durch die Person des Kaisers. Die Kriege Napoleons veränderten die Landkarte Mitteleuropas stark. 1806 hörte das Heilige Römische Reich auf zu bestehen und neue Staaten traten an seine Stelle. Neben zahlreichen Klöstern hörten auch Hochstifte wie Freising auf zu bestehen, kirchlicher Besitz wurde aufgelöst und die dabei erzielten Gewinne dem Staat gutgeschrieben (Säkularisation). Bayern blieb als Staat bestehen und konnte seinen Landbesitz durch Bayerisch-Schwaben und Franken vergrößern. Damals entstand das heutige, moderne Bayern.

München wurde 1821 Bischofssitz und die Frauenkirche zum Liebfrauendom! Die Stadt wuchs in dieser Zeit in alle Himmelsrichtungen über ihre angestammten Grenzen, die einst Stadtmauer, Gräben und Wallanlagen bestimmt hatten, hinaus. Dieses Wachstum der Stadt wurde baulich stark von Ludwig I. geprägt. Dieser nahm bereits während seiner Kronprinzenzeit Einfluss auf die entstehende Maxvorstadt, die entlang der Ludwigstraße und westlich davon entstand. Durch diese Bautätigkeit erhielt München das Antlitz einer Hauptstadt.

Als Ludwig 1825 König von Bayern geworden war, nahm er das erste Kirchenbauprojekt seit der Säkularisation in Angriff: er ließ die katholische Allerheiligen-Hofkirche an die Residenz anbauen. Die Verbindung von Thron und Altar, die über Jahrhunderte hinweg bestanden hatte, wurde von ihm neu begründet. Er ließ bis ans Ende seiner Regierungszeit mehr als 130 Klöster neu gründen oder wieder aufleben. Nach München holte er die Benediktiner, die bis heute an der Karlstraße präsent sind, in der Kirche St. Bonifaz mit angeschlossenem Kloster. St. Bonifaz bestimmte er als Grablege, nachdem ein Grabprojekt in Kloster Scheyern, das eng mit seiner Familie, den Wittelsbachern, verbunden ist, gescheitert war.



Darüber hinaus förderte er die Armen Schulschwestern und die Barmherzigen Schwestern. Diese Orden sahen ihre Bestimmung in den Bereichen der schulischen Erziehung und der Krankenpflege. Bis zur Auflösung der Klöster waren diese Bereiche klassisch durch die Orden und Klöster in der Stadt versorgt worden. Nun musste sich der Staat auf diesen Gebieten engagieren. Die Barmherzigen Schwestern konnten gut im Krankenhaus am Sendlinger Tor gebraucht werden und die Armen Schulschwestern zur Erziehung der Mädchen. Was hielten wohl die protestantischen Untertanen von Ludwig I. davon, dass er die schulische Erziehung wenigstens teilweise wieder in die Hände der katholischen Kirche gelegt hatte? Die damals getroffenen Entscheidungen haben die Familien in Bayern noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein geprägt. Eine Tante meines Vaters wurde Arme Schulschwester in Bad Tölz. Da sie Mathematik und Physik unterrichtete und mein Großvater auf diesen Gebieten dringend mehr Kenntnisse brauchte, um bei der Post aufsteigen zu dürfen, schickte meine ehrgeizige Großmutter neben ihrem Ehemann auch meinen Vater zur Tante Betti nach Bad Tölz. Mein Vater war der, für den sich das lohnen sollte! Meine evangelische Mutter durfte nicht mit ihren Freundinnen in dieselbe Schule gehen, da in der Volksschule nach den Konfessionen getrennt wurde. Das ist übrigens eine Erfahrung, die sie mit dem berühmtesten Komiker der Stadt, Karl Valentin, gemeinsam hat. Wie erging es den Protestanten unter Ludwig I., der ja bekanntermaßen eine evangelische Stiefmutter und eine evangelische Gemahlin hatte?

Der Vater Ludwigs I. hatte einst mit den Worten "er wünsche sich eine protestantische Frau, um in Bayern die Toleranz einzuführen", um die Hand seiner zweiten Gattin angehalten. War die Toleranz seither gewachsen? Die Protestanten durften seit 1803 ihre Religion in München öffentlich ausüben und zeitgleich mit der Erhebung Bayerns zum Königreich 1806 eine eigene Stadtpfarrei gründen. Wie sah es nun aus mit der von Ludwig I. gewünschten öffentlichen Ausübung der Religion, die er sich von seinen Untertanen wünschte? So viel sei schon einmal verraten: es war ein steiniger Weg bis die Matthäuskirche 1833 fertig war. Wir schauen uns an, wie er verlief und wo die Protestanten überall Asyl bekamen für ihre Gottesdienste.




Nach der Führung kehren wir ins Weingasthaus Neuner ein. Nachdem wir uns intensiv mit der Zeit König Ludwigs I. beschäftigt haben, bietet sich an, ins Weingasthaus Neuner einzukehren. Auch das Weingasthaus Neuner weist eine Verbindung zu Ludwig I. auf: Zur Feier seines 100. Geburtstages 1888 wurde es prächtig geschmückt, wie Sie im Bild unten sehen können. Beim gemeinsamen Ausklang erfahren Sie dann auch, warum sein 100. Geburtstag mit zweijähriger Verspätung gefeiert wurde.

Das Aquarell des festlich geschmückten Weingasthauses Neuner war eine Auftragsarbeit des Wirts Edmund Neuner. Als er seine Weinstube in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffnete, befand sich das "oide München" im Wandel. Es entstanden viele neue Bauten und Edmund Neuner ließ das alte, biedermeierliche München durch den Maler Joseph Puschkin für die Ewigkeit festhalten.

Dazu mehr, wenn wir uns sehen!




1 Ansicht0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen