"Wein und Fisch" gehen in München immer!

Aktualisiert: 19. Nov.

Wein und Fisch waren über Jahrhunderte das Gastgeschenk der Münchner an ihre Besucher. Was gibt es zu Wein und Fisch in München zu wissen?


Die ersten Münchner Wirtshäuser waren Weinwirtschaften. Wein wurde nicht nur am Altar in den Kirchen gereicht, sondern war Volksgetränk! Wir begeben uns in eine Zeit, in der die Kirchenfeste und das Kirchenjahr den Rhythmus des täglichen Lebens bestimmten. Der Aufstieg des Biers zum Volksgetränk beginnt in Mün­chen im ausge­henden Mittelalter. Und dieser Tatsache wollen wir in einem eige­nen Rundgang be­gegnen.

Wenn Wein Volksgetränk war, dann musste die Bevölkerung damit versorgt werden. Sie erfahren, wer die ersten Amtsträger in Bezug auf den innerstädtischen Weinhandel waren und was ihre Aufgabe war. Sehr beliebt war einheimischer Wein, der wie folgt beschrieben wurde:


O du glückliches Land Baiern, wo der Essig, welcher anderswo mit großer Mühe bereitet werden muß, von selbst wächst.

Welcher Wein ist gemeint? So schlecht kann er nicht gewesen sein! Es gibt Hinweise, dass es sich hier um den Bayerwein gehandelt haben könnte.

Was fehlt uns noch zu einem perfekten Rundgang? Der Fisch! Wein und Fisch! Wir wissen nicht, wie bibelfest die Menschen damals waren und ob so mancher Weinliebhaber an das dachte, was im Lukasevangelium geschrieben steht, als Jesus zu Petrus sagt: "‚Fürchte dich nicht! Du wirst jetzt keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen.'" Tatsache ist, dass schon die ersten Christen den Fisch als Zeichen verwendeten, um einander zu erkennen zu geben, wenn sie vor Verfolgung sicher sein wollten. Fisch war die Fastenspeise schlechthin und bei einem von der Kirche bestimmten Lebensrhythmus, gab es viele Fastentage zu berücksichtigen. Sie wurden deswegen in unmittelbarer Nähe zur Stadt produziert und im Stadtgraben und in den Bächen gehalten. Alles, was dazu gebraucht wurde, war Erlenholz. Auf unserem Rundgang erfahren Sie mehr dazu.


Schauen wir doch einmal, welcher Wein den Gästen in München kredenzt wurde und ob es auch Fisch gab. Je nach Wichtigkeit des Besuchs wurde bereits zur Begrüßung des Gastes Wein überreicht. Wein und Fisch waren das Münchner Gastgeschenk! Der Stadtschreiber führte akribisch Buch über die dafür nötigen Ausgaben. Mit seinen Notizen gibt er uns einen Einblick in das Kommen und Gehen in München. Es war also wichtig, sich von Amts wegen um den Weinhandel zu kümmern. München war ein Zentrum des Weinhandels. Hier wurden regelmäßig Welschweine aus Südtirol, Neckar- und Rheinweine aus dem Württembergischen und Osterweine aus Österreich gehandelt.


Der Stadtschreiber hat uns auch überliefert, welche Weine bei wichtigen Veranstaltungen von den Ratsherren in München aufgetischt wurden. Begeben wir uns in das Jahr 1565, als Menschen aus allen Himmelsrichtungen in die Stadt strömten. Sie kamen aus den Ritterschaften, Städten und Märkten Bayerns, um in der Hauptstadt Landtag zu halten. In dieser Zeit waren die Ratsherren Münchens für die Bewirtung der Gäste zuständig.


Tagsüber wurden serviert:

Muskateller, Rainfal, Welschwein, Landwein, Brot und Obst. Als Confect gab es: Anis, Coriander, Mandeln, pachen Imber, Nelken, Ziweben (Rosinen), überzogene Zierlnuß (Zirbelnuß) und Parmesankäse.

Fürs Nachtmahl auf dem Rathaus wurden angeboten:

Fisch, Gewürz, Zucker, Mandeln, Spezereien, Brot, Essig, Schmalz und Salz und zum Trinken wieder Wein, Leytacher, Felltliner, Traminer.

(vgl. Stahleder, Chronik der Stadt München)

Die Ratsherren, die hier als Gastgeber der Stadt auftraten, stammten aus den reichsten Handelsfamilien der Stadt. Sie stellten nicht nur die Mitglieder des Stadtrats, sondern auch die Bürgermeister Münchens. Ihre Namen lauten Ligsalz, Bart, Schrenck oder Hundertpfund. Sie handelten mit Tuchen, Erzen, Salz und Wein. Wo können wir vor Ort Spuren von Ihnen finden?



Dazu begeben wir uns ins Zentrum der historischen Altstadt Münchens zum Petersbergl, wo die älteste Pfarrkirche der Stadt steht, die Peterskirche, deren Turm liebevoll „Alter Peter“ ge­nannt wird (siehe Bild). Hier beginnen wir unseren Rund­gang mit einer Erkundung der Kirche. Denn dort finden wir Spuren vergangenen gesellschaftlichen Lebens, das eng mit dem religiösen Le­ben verbunden war.

Auf dem Rathaus – wie oben beschrieben – wurde nicht jeder bewirtet. Deshalb wollen wir uns auch mit der Frage beschäftigen, wie damals die Wirtshauskultur in München aussah. Heutzutage verbinden wir mit dem Wort "Wirtshauskultur" eine Gastwirtschaft, die einen Bierausschank hat, weil Bier Volksgetränk ist. Damals war das noch anders! Wir begeben uns in die Zeit, in der noch kein Hofbräuhaus existierte und mehr Wein als Bier getrunken wurde. Eine Charakterisierung der bayerischen Bevölkerung jener Zeit stammt vom Geschichtsschreiber Johann Turmair, genannt Aventinus:

Der gemeine Mann, (...) sitzt Tag und Nacht bei dem Wein, schreit, singt, tanz, lacht, spielt, mag Wehr tragen, Schweinsspieß und lange Messer.

Wir begeben uns auf die Suche, wo es bedeutende Weingasthäuser in München gab. Dazu folgen wir der Spur, die der Weinhandel in der Stadt hinterlassen hat. Wir lernen dabei die Orte kennen, wo sich die Ratsherren erfrischten oder der städtische Weinstadel stand. Einige Weingasthäuser hatten neben dem Schankrecht auch das Recht Speisen zu kredenzen und Gäste zu beherbergen. Dies war vor allem im Tal wichtig, das die Hauptverkehrsader Münchens war, solange das Isartor als Stadttor in Betrieb war. Viele von Münchens Weingasthäusern galten bis ins 19. Jahrhundert hinein als sehr vornehm.

Wir beenden unseren Rundgang am passenden Ort bei einem guten Glas Wein. Dazu begeben wir uns zum Promenadeplatz 19, wo einst der Weingastgeb Veit Abl eine Fremdenherberge betrieb. Er konnte 60 Pferde unterstellen und war damit um 1550 der drittgrößte Beherbungsbetrieb Münchens. Der Betrieb wird bis ins 19. Jahrhundert hinein als Weingasthaus geführt. 1842 taucht das Haus dann unter dem Namen "Zum Bayerischen Hofe" auf. Ein Glas Wein wartet schon auf Sie!

Ich freue mich auf Sie, unseren gemeinsamen Rundgang und Ausklang!



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