Kirche & Wirtshaus im München des Mittelalters!

Aktualisiert: 29. Mai

Aus allen Himmelsrichtungen strömten die Menschen 1565 nach München. Sie kamen aus den Ritterschaften, Städten und Märkten Bayerns, um in der Hauptstadt Landtag zu halten. In dieser Zeit wurden Sie vom Rat der Stadt bewirtet.


Tagsüber wurden serviert: Muskateller, Rainfal, Welschwein, Landwein, Brot und Obst. Als Confect gab es: Anis, Coriander, Mandeln, pachen Imber, Nelken, Ziweben (Rosinen), überzogene Zierlnuß (Zirbelnuß) und Parmesankäse.


Fürs Nachtmahl auf dem Rathaus wurden Fisch, Gewürz, Zucker, Mandeln, Spezereien, Brot, Essig, Schmalz und Salz und zum Trinken wieder Wein angeboten: Leytacher, Felltliner, Traminer.

Je nach Wichtigkeit des Besuchs wurde bereits zur Begrüßung des Gastes Wein überreicht. Wein und Fisch waren das Münchner Gastgeschenk! Der Stadtschreiber führte akribisch Buch über die dafür nötigen Ausgaben. Mit diesen Notizen gibt er uns einen Einblick in das Kommen und Gehen in München. Es war also wichtig, sich von Amts wegen um den Weinhandel zu kümmern. München war ein Zentrum des Weinhandels. Hier wurden regelmäßig Welschweine aus Südtirol, Neckar- und Rheinweine aus dem Württembergischen und Osterweine aus Österreich gehandelt.

München war im 16. Jahrhundert von der Hauptstadt Oberbayerns zur alleinigen Hauptstadt Bayerns aufgestiegen, nachdem die einzelnen Landesteile unter einem Herzog vereinigt worden waren. Das Bürgerrecht hatten nur die reichsten Bewohner*innen der Stadt, die aus den Handelsfamilien stammten, wie die Ligsalz, die Bart, die Schrenck oder die Hundertpfund. Weinhändler waren auch darunter. Wo können wir noch Spuren von Ihnen und den anderen ratsfähigen Familien Münchens finden?




Dazu begeben wir uns ins Zentrum der historischen Altstadt Münchens zum Petersbergl, wo die älteste Pfarrkirche der Stadt steht, die Peterskirche, deren Turm liebevoll „Alter Peter“ ge­nannt wird (siehe Bild oben). Hier beginnen wir unseren Rund­gang mit einer Erkundung der Kirche. Denn dort finden wir Spuren vergangenen gesellschaftlichen Lebens, das eng mit dem religiösen Le­ben verbunden war.

Wie sah damals die Wirtshauskultur in München aus? Auf dem Rathaus – wie oben beschrieben – wurde nicht jeder bewirtet. Heutzutage verbinden wir mit dem Wort "Wirtshauskultur" eine Gastwirtschaft, die einen Bierausschank hat, weil Bier Volksgetränk ist. Damals war das noch anders! Wir begeben uns in die Zeit, in der noch kein Hofbräuhaus existierte und mehr Wein als Bier getrunken wurde. Eine Charakterisierung der bayerischen Bevölkerung jener Zeit stammt vom Geschichtsschreiber Johann Turmair, genannt Aventinus:

"Der gemeine Mann, ... sitzt Tag und Nacht bei dem Wein, schreit, singt, tanz, lacht, spielt, mag Wehr tragen, Schweinsspieß und lange Messer."


Wein war damals, im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, Volksgetränk, und wir schauen uns an, wo es bedeutende Weingasthäuser in München gab. Wir begeben uns nach der Kirche Richtung Wirtshaus, immer auf den Spuren, die der Weinhandel in München hinterlassen hat. Wir lernen dabei die Orte kennen, wo sich die Ratsherren erfrischten oder der städtische Weinstadel stand. Einige Weingasthäuser hatten neben dem Schankrecht auch das Recht Speisen zu kredenzen und Gäste zu beherbergen. Dies war vor allem im Tal wichtig, das die Hauptverkehrsader Münchens war, solange das Isartor als Stadttor in Betrieb war. Viele von Münchens Weingasthäusern galten bis ins 19. Jahrhundert hinein als sehr vornehm.

Wir beenden unseren Rundgang am passenden Ort bei einem guten Glas Wein. Dazu begeben wir uns zum Promenadeplatz 19, wo einst der Weingastgeb Veit Abl eine Fremdenherberge betrieb. Er konnte 60 Pferde unterstellen und war damit um 1550 der drittgrößte Beherbungsbetrieb Münchens. Der Betrieb wird bis ins 19. Jahrhundert hinein als Weingasthaus geführt. 1842 taucht das Haus dann unter dem Namen "Zum Bayerischen Hofe" auf. Ein Glas Wein wartet schon auf Sie!

Ich freue mich auf Sie, unseren gemeinsamen Rundgang und Ausklang!



Nach der Führung wissen Sie, dass die ers­ten Münchner Wirtshäuser Wein­wirtschaften waren.

Wenn Wein Volksgetränk war, dann musste die Bevölkerung damit versorgt werden. Sie erfahren, wer die ersten Amtsträger in Bezug auf den innerstädtischen Weinhandel waren und was ihre Aufgabe war. Sehr beliebt war einheimischer Wein, der wie folgt beschrieben wurde: "O du glückliches Land Baiern, wo der Essig, welcher anderswo mit großer Mühe bereitet werden muß, von selbst wächst." Welcher Wein ist gemeint? So schlecht kann er nicht gewesen sein!

Wein und Fisch! Frische Fische wurden im Stadtgraben und in den Bächen gehalten. Alles, was sie dazu brauchten, war Erlenholz. Mehr dazu auf unserem Rundgang.

Der Aufstieg des Biers zum Volksgetränk beginnt in Mün­chen im ausge­henden Mittelalter. Und dieser Tatsache wollen wir in einem eige­nen Rundgang be­gegnen.

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