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Liesl Karlstadt & Karl Valentin lernen für den Führerschein.

Aktualisiert: 30. Dez. 2022

Boxenstopp: Isartor, Valentin-Karlstadt-Musäum, Stärkung im Turmstüberl


Wer von beiden tritt zur Fahrprüfung an?


Die Kabarettistin Liesl Karlstadt bespielte zusammen mit dem Komiker Karl Valentin erfolgreich Münchens Kleinkunstbühnen.


Die beiden besuchten in den Zwanziger Jahren gemeinsam einen "Autofahrerkurs". Hier war das geniale Komikerpaar allerdings weniger erfolgreich, zumindest was die praktische Leistung von Karl Valentin betrifft. Dies steht einerseits in Kontrast zu seinem Bühnenwerk, in das er alle technischen Neuerungen der Zeit einbezog und sogar den Mondraketenflug vorwegnahm. Andererseits stimmt sein Versagen beim Autofahrerkurs genau mit seinem Bühnenwerk überein, in dem die Kunst des Scheitern in allen Formen zelebriert wird.


Liesl Karlstadt über Karl Valentin und den Autofahrerkurs:


"Ja, überaus ängstlich war er schon. Und seine Scheu vor Verkehrsmitteln – oh mei! Dabei hat er wirklich einmal mit mir zusammen einen Autofahrerkurs besucht. (...) Mit dem Schalten kam er nie zurecht 'Alle Autos san technisch völlig rückständig' murrte er. (...) Als wir einmal von der Lehrfahrt zurückkehrten, meldete Valentin dem Kursleiter: 'Heit ham mir leida Pech gehabt, mir ham an Flügel abbrocha' – 'Was?', rief der entsetzt, 'einen Kotflügel von meinem neuen Wagen?' – 'Na, net von Eahnem Wagen', erklärte Valentin. 'Einen Flügel von einem Schmetterling, mit dem mir zusammengerumpelt san...' Acht Tage vor Schluss des Fahrkurses verzichtete Valentin auf den Rest und auf den Führerschein – er ließ sich künftig lieber von mir fahren (...)." Zitiert nach: Michaela Karl, Liesl Karlstadt, Gesichter einer Frau.


Frauen als Automobilistinnen


In den 1920er-Jahren wurden Frauen als leidenschaftliche "Automobilistinnen" sichtbarer. Die meisten von ihnen kamen nicht aus der breiten Maße der Bevölkerung. Damals war es keineswegs üblich für eine Frau, den Führerschein zu erwerben, zumal dies bis 1958 von der Zustimmung des Vaters oder Ehemanns abhängig war. Bereits 1923 setzte die Zeitschrift "Jugend" eine Dame in Rennkleidung hinter das Steuer eines Rennautos:



In München zählten zu den ersten öffentlich bekannten Autofahrerinnen die Unternehmergattin Ada Ott und die Schauspielerin Erika Mann. Die beiden fuhren auch Autorennen und waren dabei so erfolgreich, dass sie mit der männlichen Konkurrenz nicht nur mithalten, sondern sie auch besiegen konnten.


Ada Otto


Ada Otto war mit Gustav Otto verheiratet, dem in München die Gustav Otto Flugmaschinenwerke gehört hatten. Diese waren während des Ersten Weltkriegs in Konkurs gegangen. Das Unternehmen wurde 1916 in die Bayerischen Flugzeugwerke (BFW) umgewandelt und zählte damit zu den Vorgängerfirmen der heutigen BMW AG.


Gustav Otto entwickelte eines der ersten Motorräder, die Helios. Ada Otto nahm 1923 an zwei bedeutenden Passrennen teil: An dem erstmals ausgetragenen Hindelang-Oberjoch-Rennen und dem zwei Jahre zuvor begründeten Rusel-Bergrennen, das von Deggendorf in den Bayerischen Wald führte.


Erika Mann


Erika Mann war die älteste Tochter des Schriftstellers Thomas Mann. 1931 nahm sie zusammen mit Ricki Hallgarten an einer 10.000-Kilometer-Fahrt durch Europa teil, die vom Automobilclub von Deutschland (AVD) ausgeschrieben worden war. Diese Autorallye startete am 21. Mai auf der AVUS in Berlinund endete dort am 7. Juni, nachdem mehr als 10.000 Kilometer durch 10 Länder zurückgelegt worden waren.

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