München mit Humor! Zu Besuch im Valentin-Karlstadt-Musäum.

„Jedes Ding hat drei Seiten: eine positive, eine negative und eine komische.“ (Karl Valentin)


Diese Erkenntnis ist Ihnen neu? Dann lassen Sie sich sagen, dass sie universell anwendbar ist. Sie lässt sich sogar auf das ernsthafte Berufsleben anwenden, was ich früh erleben durfte. Als ich nach Abschluss der Schulzeit anfing zu arbeiten, wurde ich sogleich mit der positiven und der negativen Seite von Arbeit vertraut gemacht. Gott sei Dank ließ die dritte, die komische Seite, nicht lange auf sich warten. Das hatte ich meiner Chefin zu verdanken, die jedes Jahr zu ihrem Geburtstag ein Stück von Karl Valentin einstudierte, um damit ihre Gäste zu erfreuen. In dem Jahr, in dem ich für sie arbeitete, studierte sie „Im Zoologischen Garten“ ein. Jede freie Minute unserer Arbeitszeit nutzte sie, um das Stück zu üben. Zum Schluss wurden auch noch meine aus Kindheitstagen stammenden Panther und Leoparden als stofftierische Laiendarsteller fürs „Raubtierhaus“ engagiert und die theatralische Geburtstagsparty konnte beginnen!


„Jedes Ding hat drei Seiten: eine positive, eine negative und eine komische.“ Kennen Sie den Erfinder dieser Lebensweisheit? Dann wird es höchste Zeit, dass Sie ihn kennen lernen. Es handelt sich um Valentin Ludwig Fey, besser bekannt als Karl Valentin. Viele seiner Wortschöpfungen, Aphorismen und Texte sind Allgemeingut in Mün­chen und Teil der Alltagssprache geworden.


Karl Valentin war gelernter Schreiner und griff in seinen Stücken und Stummfilmen gerne zum Handwerkszeug dieses Berufs. Sägen und Zollstöcke tauchen dann auf, wenn der Zuschauer garantiert nicht damit rechnet! Neben diesen klassischen handwerklichen Elementen nutzten Liesl Karlstadt und er gerne die technischen Errungenschaften ihrer Zeit und bauten sie als Medien in ihre Stücke ein:

  • Telefon in "Buchbinder Wanninger",

  • Scheinwerfertechnik in "Der reparierte Scheinwerfer",

  • Raketenflugzeug in "Die Mondrakete",

  • Flugapparat und drahtlose Kommunikation in "Sturzflüge im Zuschauerraum",

  • Fahrräder und Trambahnen in "Radlerpech",

  • Antennendraht in "Im Senderaum".


Neben Karl Valentin gilt es Liesl Karlstadt zu entdecken, die über zwei Jahrzehnte lang seine legendäre Bühnenpartnerin war. Zusammen bildeten die beiden ein unvergessliches Komikerduo. Karl Valentin entdeckte Liesl Karlstadts komisches Talent, machte sie zu seiner Bühnenpartnerin und wuchs so über sich hinaus. Sie traten gemeinsam auf die Bühne, nahmen Schallplatten auf und drehten Stumm- und Tonfilme. Der bekannteste dürfte der „Firmling“ sein, der von Liesl Karlstadt verkörpert wurde. Überhaupt ist es so, dass Liesl Karlstadt meistens in Männerrollen auf der Bühne erschien und überzeugte. Ihre bekannteste Rolle neben dem Firmling dürfte die des „Herrn Kapellmeisters“ in der Orchesterprobe sein. Diese Rolle verkörperte sie so überzeugend, dass sie Liebesbriefe an den „Herrn Kapellmeister“ erhielt.


Wir beginnen unsere Tour mit einem Stadtspaziergang, der Ihnen die Welt um 1900 mit ihrer Wirtshaus- und Unterhaltungskultur nahebringt. Karl Valentin und Liesl Karlstadt wuchsen beide mit den Volkssänger*innen auf, die in den Wirtshäusern und Theatern der Vorstadt den Ton angaben und die hochverehrte Bühnenkönige und Rampensäue waren. Karl Valentin vergaß nie darauf hinzuweisen, dass auch er Volkssänger ist! In seinem Kunstschaffen ging er jedoch weit über diese Vorstadtunterhaltung hinaus und schuf heute noch Zitierbares. Auch Liesl Karlstadt war fasziniert von der vielfältigen Bühnenunterhaltung ihrer Kindheit und Jugend und entwickelte den starken Wunsch, selbst auf der Bühne stehen zu wollen. Als sich ihr die Gelegenheit bot, gab sie dafür sogar die sichere Beschäftigung als Verkäuferin im Kaufhaus Tietz auf.

Unseren Stadtspaziergang beenden wir mit einem Besuch des Valentin-Karlstadt-Musäums, welches das Schaffen der beiden bewahrt hat. Dort finden wir optimale Bedingungen, um uns dem Multimediatalent Karl Valentin in Wort, Bild und Ton zu nähern. Nachdem wir unser Wissen auf heitere Weise vertieft haben, kehren wir zum endgültigen Abschluss der Tour ins Turmstüberl ein.

Welche Anforderungen müssen Sie als Besucher mitbringen? Den Willen und das körperliche Kön­nen, sich über den spiralförmigen Treppenaufgang in die Gedanken­welt Karl Valentins „hineinzu­wutzeln“.


Ich freue mich auf Sie!




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