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Ein Dreirad fährt die Isar entlang!

Aktualisiert: 30. Dez. 2022

Boxenstopp: Steinsdorffstraße Ecke Zweibrückenstraße


Und was für ein Dreirad!


Am 29. Januar 1886 erhält Karl Benz das Patent für seine Erfindung „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“. Es sah aus wie ein Dreirad. Im Unterschied zum Dreirad musste kein Mensch mehr in die Pedale treten, weil Karl Benz einen Motor eingebaut hatte, der für den „Selbstantrieb“ des Fahrzeugs sorgte. Der Fahrzeugbesitzer musste dafür den Motor in Gang bringen und dann nur noch lenken (vgl. Straßl, Deutsches Museum, Meisterwerke, Band I). Übrigens: Karl Benz war ein begeisterter Fahrradfahrer. Er überlegte sogar, Fahrräder herzustellen. Wenn es schnell gehen musste, schwang er sich aufs Fahrrad und nicht auf den von ihm erfundenen Dreirad-Motorwagen! Denn damals waren die schnellsten Räder immer noch die Hochräder! Karl Benz kannte Fahrräder genau. Sie standen Pate für seine Erfindung, was man sieht:


  • Benz Dreirad-Motorwagen, Maße: 1,42 x 1,43 x 2,48 m (H x B x L), 265 kg. Im Bestand des Deutschen Museums befindet sich der erste von Benz & Cie. 1886 gebaute Dreirad-Motorwagen. Quelle: Deutsches Museum Digital, CC BY-SA 4.0

  • Hochrad: Es ist aus Stahlrohr gefertigt mit Vollgummireifen. Das Vorderrad hat einen Durchmesser von 1,47 m und macht mit einer Umdrehung der Tretkurbel 4,6 m, 1883, Hillmann, Herbert & Cooper, Quelle: Deutsches Museum Digital, CC BY-SA 4.0

  • Tretkurbel-Dreirad: Das Laufrad war aus Holz mit Eisen beschlagen, um 1879, Maße: 1,22 x 1,01 x 1,91 m (H x B x L), 49 kg, Quelle: Deutsches Museum Digital, CC BY-SA 4.0

1888 kommt das Benz-Dreirad nach München!


"Zwischen Kunst und Bier ist München wie ein Dorf zwischen Hügeln hingelagert", so drückte Heinrich Heine aus, was er von München und seinen Bewohnern hielt. Dieses Zitat wird immer wieder bemüht, wenn gesagt werden soll, wie rückständig, provinziell und fortschrittsfeindlich die Stadt und ihre Bewohner waren.


Spätestens ab den 1850er-Jahren während der Regentschaft der Könige Max II. Joseph und Ludwig II. wurde München moderner. Wer genau hinschaute, stellte fest, dass der technische Fortschritt nicht einmal die Bierproduktion verschonte. Die Münchner Brauereien entwickelten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu industriellen Großbrauereien. Bier, Kunst und moderne Technik kamen 1888 für ein paar Monate öffentlichkeitswirksam in München zusammen. Westlich der Altstadt, vor dem Karlstor, fand die III. Internationale Kunstausstellung im modernen Glaspalast statt. Östlich der Altstadt, in unmittelbarer Nähe der Isar, fanden die Deutsch-Nationale Kunstgewerbe-Ausstellung (15. Mai bis 31. Oktober) und die Kraft- und Arbeitsmaschinenausstellung (27. Juli bis 15. Oktober) statt. An letzterer nahm auch Karl Benz mit seinem Dreirad-Motorwagen teil.


  • Werbeplakat für die erste Kraft- und Arbeitsmaschinenausstellung im Deutschen Reich, Ausstellungsort: München, Isartorplatz

  • Werbeprospekt für den Benz Patent-Motorwagen, der 1888 in München vorgestellt wurde, aus: Straßl, Der Motorwagen von Karl Benz, Deutsches Museum, Meisterwerke, Band I

  • Hölzerne Ausstellungsbauten für die Deutsch-Nationale Kunstgewerbe-Ausstellung in der Steinsdorfstraße am Isarquai, der sich vom Mariannenplatz bis zur Zweibrückenstraße erstreckte, 1888


In der Nähe des Ausstellungsortes der Kraft- und Arbeitsmaschinenausstellung, wo heute täglich 30.000 Autos die Steinsdorff- und Erhardtstraße entlangdonnern, fuhr Karl Benz im August 1888 mit dem ersten Automobil der Geschichte und begeisterte die Münchner, zumindest die Jugend:


"Wohl selten oder nie noch bot sich den Passanten in den Straßen unserer Stadt ein verblüffenderer Anblick, als (...) wo (...) in strengem Laufe ein sog. Einspänner-Chaischen ohne Pferd und Deichsel mit aufgespanntem Dache, unter welchem ein Herr (Benz) saß, auf drei Rädern – ein Vorder- und zwei Hinterräder – dem Innern der Stadt zueilte (...) ohne eine bewegende Kraft durch Erzeugung von Dampf, ohne die Kraftanstrengung der Füße von Seite des Fahrgastes, wie bei den Velocipeden, rollte der Wagn, ohne Anstand alle Kurven nehmend und den entgegenkommenden Fuhrwerken und den verschiedenen Fußgängern ausweichend, dahin, gefolgt von einer großen Zahl atemlos nacheilender junger Leute (...)"

aus: Münchener Tageblatt, Sommer 1888, zitiert nach Straßl, Deutsches Museum, Meisterwerke, Band I


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