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5 Münchner über Edelleute: Hans Rosenbusch über Herzogin Margarete.

Aktualisiert: 31. Dez. 2022


Am 11. Mai 1433 heiratete der ewige Junggeselle Herzog Wilhelm III. von Bayern im Alter von 58 Jahren die 17 Jahre alte Margarete von Kleve und der Mark. Der Altersunterschied der Ehegatten betrug 41 Jahre! Die Hochzeit fand in Basel statt.


Die Grund für diese späte Ehe Wilhelms lag in dem unstandesgemäßen Verhältnis, das sein Neffe und einziger Thronerbe des Herzogtums Bayern-München, mit Agnes Bernauer führte. Die Kinder aus dieser Verbindung wären nicht erbberechtigt gewesen.


Das Alte Rathaus in München, wo Herzogin Margarete hinter den großen Fenstern im Tanzsaal mit den Bürgerinnen der Stadt an Weihnachten 1433 Karten spielte. Quelle: Wikipedia-Artikel zum Alten Rathaus


Die junge Herzogin von Bayern stellte sich Weihnachten 1433 den Münchner Bürgern auf dem Rathaus vor (25./26. Dezember 1433). Der Münchner Stadtschreiber, Hans Rosenbusch, notierte, dass die Stadt 3 Schillinge weniger 2 Pfennige "auf das rathaws" zahlte


"dô unser gnedige fraw die herzogin auf dem rathaws kartet, dô sie die burgerin geladen het und dô ettlich gar hart vielen in den veyertagen".

Die Bürgerinnen mussten also mit Herzogin Margarte Karten spielen, obwohl es ihnen wegen der Feiertage schwerfiel.


Des Weiteren zahlte die Stadt noch einmal 3 Schillinge und 10 Pfennige, um Konfekt darreichen zu können:


"umb zwo statel guts veyns confects dem Ridler, dô man die der herczogin auf das rathaws kaufet zu aim trunck (...) Da vielen die edelleut darein und frassens als die saw mit paiden fewsten. Da redten ettlich burger gnug darzu, ob sie sich sein nit schameten".

Die Aufzeichnungen von Hans Rosenbusch sind immer interessant! Denn bei solchen Tischmanieren hätte der Rat der Stadt das Geld fürs Konfekt gleich zum Fenster rauswerfen können.


Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, Adolf und Wilhelm. Adolf kam 1434 auf die Welt und starb im Kindesalter. Herzog Wilhelm III. starb zwei Jahre nach seiner Heirat im Alter von 60 Jahren am 12. September 1435. Dreizehn Tage nach seinem Tod kam sein zweiter Sohn, Wilhelm, auf die Welt, der einen Monat später schon wieder starb.


Auf den Tag genau einen Monat nach Herzog Wilhelms III. Tod wurde Agnes Bernauer am 12. Oktober 1435 in der Donau ertränkt. Verantwortlich dafür war Herzog Ernst von Bayern, der seinen Sohn in eine standesgemäße Heirat zwingen wollte. Dieses Ereignis führte zu einer schweren Krise zwischen Herzog Ernst und einem Sohn Albrecht. Die Versöhnung der beiden war von staatserhaltender Bedeutung für das Herzogtum Bayern-München. Als im 15. Jahrhundert die spätgotische Gedächtnisplatte aus Marmor für Kaiser Ludwig den Bayern angefertigt wurde, wurde auch die Versöhnungsszene zwischen Ernst und Albrecht darauf abgebildet. Diese Grabplatte liegt heute im Grabmonument für Kaiser Ludwig den Bayern, das in der Frauenkirche steht.



Zu den Zitaten: Wenn nicht anders angegeben, stammen die Zitate aus der Chronik der Stadt München von Stahleder.



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