Von der Brauerei auf'd Wiesn!

Aktualisiert: 19. Nov.


Am 16. September 2023 ist es wieder soweit: Die Festzelte sind aufgebaut, das Oktoberfest-Bier ist eingebraut und die Brauereirösser stehen prachtvoll geschmückt im Geschirr. Der Geruch von gebrannten Mandeln weht wieder über die Theresienwiese! Um 12 Uhr mittag hoaßt's dann wieder: O'zapft is!

Aus welchem Grund gehen Sie auf die Wiesn? Beruflich mit Kunden oder mit Freunden, wenn Sie Freizeit haben? Wie war das "anno dazumal"? Obwohl damals die meisten Menschen in der Stadt lange und schwer arbeiten mussten, entstand vor ca. 150 Jahren ein neues Phänomen, die Freizeit! Für einen Wiesnbesuch machten sich die Münchner extra hübsch zurecht und legten den "Sonntagsstaat" an. Ich kenne das noch von meiner Oma. In Tracht ist früher kein Münchner auf die Wiesn gegangen! Und das ist noch gar nicht so lange her. Wie sah das Programm aus, das den Menschen früher gefallen hat? Wenn Sie sich schon einmal einen Eindruck davon verschaffen wollen, dann können Sie das hier tun:


"Sehr verehrtes Publikum! Nachdem die Volksmassen mein Theater befriedigt verlassen haben, beginnt eine neue Gala-Elite-Vorstellung. Auftreten der ersten Künstlerspezialitäten des Kontinents, Jongleure, Seilkünstler, Equilibristen – Zauberer – Trapezkünstlerinnen – Herkulesse – Schlangenmenschen und so weiter. Zum Schluß der Vorstellung die berühmte Geister- und Gespenstererscheinung. Sichern Sie sich jetzt schon Plätze. Zutritt, Zutritt."


Das gibt es heute noch. Wissen Sie, zu welcher Wiesn-Attraktion das gehört? Nein? Dann sehen wir uns 2023 zu einem gemeinsamen Wiesn-Bummel!


Menschliche Originale und schlitzohrige Ideen auf der Wiesn



Der Wurzel-Sepp und der Vogel-Jakob


Der Wurzel-Sepp verkaufte Kräuterbrände und Enzian. Sie wissen, dass Enzian hier kein blaues Blümerl ist? Es handelt sich bei Getränken dieses Namens um hochprozentigen Alkohol, der eigentlich von niemanden getrunken werden dürfte, da er so schädlich ist.

Im Gegensatz zum Wurzel-Sepp verkaufte der Vogel-Jakob etwas Harmloseres. Er verkaufte gezackte Plättchen, die man sich an den Gaumen heftete, um damit Töne wie ein Vogel erzeugen zu können. Sie müssen aufpassen, dass das Plättchen dabei nicht vom Gaumen in den Rachen rutscht.

Der Schichtl


Der Schichtl führte ein ganz besonderes Zaubertheater auf die Wiesn: „Die Enthauptung einer lebenden Person mittels Guillotine“. Das gibt es heute noch! Früher, zu der Zeit als meine Oma lebte, war das sehr beliebt. Jeder kannte das Zelt vom Schichtl. So wurde es beliebt, vor dem Schichtl-Zelt zu warten, wenn man sich für die Wiesn mit jemandem verabredet hatte. Auch ich kenne das Programm des Schichtl noch. Meine Oma konnte nicht ohne! Ich musste als Kind leider mit. "Leider" deswegen, weil meine Oma immer wollte, dass ich mich unters Fallbeil lege! Der Spruch des Rekommandeurs beim Eingang lautete immer und bis zum heutigen Tag "Auf geht's beim Schichtl!"

Der Steyrer Hans


Der Steyrer Hans war bereits zu seinen Lebzeiten eine Legende! Und das kam so: Jedes Jahr am ersten Wiesntag fuhr er mit einem Pferdegespann, das von einer bunten Menschenmenge begleitet wurde, auf die Wiesn. Das war damals aber nicht erlaubt. Und so musste er jedes Jahr dafür eine Strafe bezahlen. Er ließ sich trotz Strafe nicht davon abbringen und das machte ihn legendär. Aber noch viel bekannter war der Steyrer Hans für seine großen Muskelkräfte. Er wurde "bayerischer Herkules" genannt. Übrigens stand die erste Muckibude Münchens in einer Gastwirtschaft der Münchner Altstadt. Es war die Gastwirtschaft der Familie Greiner, in der sich auch der Steyrer Hans einfand. Ludwig Greiner wiederum war der "Erfinder" Karl Valentins, einer anderen Münchner Legende! Und zu der kommen wir jetzt.

Karl Valentin


Karl Valentin machte sich viele Gedanken, vor allem über den richtigen Gebrauch der Wörter. Die von ihm gefundenen Sprichwörter verwenden die Menschen heute immer noch. Einer seiner Sprüche lautete: "Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut." Für die Wiesn entwickelte er die Froschbahn. Die Wiesn fand er so toll, dass er sogar einen der ersten Filme über einen Wiesn-Bummel drehte. Der ist bis heute sehenswert, weil er zeigt, wie die Wiesn früher aussah und weil er so lustig ist.


Carl Gabriel


Um 1900 lernten die Bilder laufen! Das Kino war erfunden. Und so ein Kino brachte Carl Gabriel als erster nach München. Er hatte, ähnlich wie Karl Valentin, viele Ideen und mit diesen veränderte er das Ausstellungsprogramm der Wiesn. Er führte das Hippodrom als Festzelt ein, in dem es neben Speis & Trank möglich war, auf echten Pferden zu reiten. Da Pferd und Reiter*in sich nicht immer gut verstanden, kam es zu lustigen Szenen und die Zuschauer*innen hatten ihren Spaß im Hippodrom. Carl Gabriel brachte auch die Hexenschaukel, das Teufelsrad und das Steilwandfahren auf die Wiesn. ​


Freuen Sie sich auch jedes Jahr darauf, die neuen Fahrgeschäfte auf der Wiesn auszuprobieren? So ein bisschen war das auch in der Zeit von anno dazumal. Die Wiesn nutzte man im 19. Jahrhundert als Ausstellungsgelände für die neuesten technischen Apparate. So wie man das heute auf dem Messegelände macht, das damals noch nicht existierte.


Standbild der Bavaria


Zum Oktoberfest 1850 wurde das Standbild der Bavaria aus gegossener Bronze vor der Ruhmeshalle enthüllt. Sie ist größer als ein Mensch und so groß, dass sie als die größte Bronzestatue seit der Antike gilt. Und mit der Antike meint man eine Zeit, die mindestens 1.500 Jahre her ist. Der Gründer des Deutschen Museums, Oskar von Miller, ließ eine Kopie der rechten Hand der Bavaria herstellen, um sie in seinem Museum ausstellen zu können. Warum wollte er das tun? Im Deutschen Museum sollten alle Beispiele für neue und gute Technik gesammelt und ausgestellt werden. Bis heute steht die Bavaria für das beeindruckende technische Können der königlich-bayerischen Erzgießerei, in der sie hergestellt wurde. Warum wurde die Bavaria überhaupt geschaffen? Die Bavaria symbolisiert das Land Bayern. Sie wurde vor der Ruhmeshalle aufgestellt. In die werden bis heute die bayerischen Frauen und Männer aufgenommen, die besondere Leistungen für das Land Bayern erbracht haben. Sie sind Stolz und Ehre Bayerns und werden dafür von der Bavaria mit dem Eichenkranz bekrönt.


Elektrischer Strom kommt auf die Wiesn

Die Krinoline war das erste elektrisch betriebene Karussell auf der Wiesn. Hier spielt heute noch Live-Musik zum Krinolinen-Wellengang. Das müssen Sie sich einmal anschauen oder auch ausprobieren. Dieses Fahrgeschäft ist Ausdruck davon, dass es im 19. Jahrhundert soviel technischen Fortschritt gegeben hat, ständig wurde etwas Neues erfunden oder verbessert. Ganz besonders die letzten Jahrzehnte vor 1900 bringen viele Erfindungen, wie die Elektrizität. Mit Elektrizität war es möglich, die Dinge ohne Feuer zum Leuchten zu bringen! Mit dem elektrischen Strom änderte sich das gesamte Leben und auch die Wiesn. Sie erschienen in einem neuen Licht! Dafür sorgten die in den 1880er-Jahren dort montierten elektrischen Bogenlampen der Firma Einstein. Der Inhaber, Hermann Einstein, war der Vater von Albert Einstein. Mit dem technischen Fortschritt veränderten sich auch die Wiesn-Vergnügungen: Achterbahn, Teufelsrad, Hexenschaukel, Steilwandfahren kommen auf die Wiesn. Das Oktoberfest wurde immer mehr als "Messe" genutzt, als technische Leistungsschau. In gewisser Weise hat sich das bis heute erhalten, denn es gehört dazu, dass jedes Jahr neue, spektakuläre Fahrgeschäfte aufgestellt werden, die den Kräften der Schwerkraft trotzen. Eine bestimmt spannende Aufgabe für die Sachverständigen des TÜV!​


Velos und Stahlrösser

Das Rad gilt in München als Fortbewegungsmittel der Zukunft! Elektrischer Strom hilft uns mittlerweile auch beim Fahrradfahren, wenn wir ein E-Bike benutzen. Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften im August 2022 in München starteten 770 Radsportler. Nur die Ruderer und Leichtathleten hatten mehr Sportler am Start. Wir alle lernen schon als Kinder Fahrradfahren und können es uns gar nicht anders vorstellen. Blicken wir zurück: Fahrradfahren konnte vor 100 Jahren nicht jeder. Zu Beginn des Velo-Zeitalters gehörte eine Menge Mut und Schwindelfreiheit dazu. Sind Sie schon einmal auf einem Hochrad gefahren? Wissen Sie, wie man in den Sattel kommt? Das mussten Sie können, wenn Sie in den 1880er-Jahren an den Fahrrad-Wettrennen auf dem Oktoberfest teilnehmen wollten. Es waren Hochrad-Wettbewerbe.

Pferdebahn und Trambahn


Um 1900 fuhren die Menschen mit der Pferdebahn auf die Wiesn. Die U-Bahn-Haltestelle "Theresienwiese" gibt es seit 1984.

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