Menschliche Originale, schlitzohrige Ideen und technische Neuheiten auf der Wiesn!

Aktualisiert: 22. Mai

"Sehr verehrtes Publikum! Nachdem die Volksmassen mein Theater befriedigt verlassen haben, beginnt eine neue Gala-Elite-Vorstellung. Auftreten der ersten Künstlerspezialitäten des Kontinents, Jongleure, Seilkünstler, Equilibristen – Zauberer – Trapezkünstlerinnen – Herkulesse – Schlangenmenschen und so weiter. Zum Schluß der Vorstellung die berühmte Geister- und Gespenstererscheinung. Sichern Sie sich jetzt schon Plätze. Zutritt, Zutritt."


Das gibt es heute noch. Wissen Sie, zu welcher Wiesn-Attraktion das gehört? Nein? Dann sehen wir uns 2022 zu einem gemeinsamen Wiesn-Bummel!



Menschliche Originale und schlitzohrige Ideen



Der Wurzel-Sepp und der Vogel-Jakob


Der Wurzel-Sepp verkaufte Kräuterbrände und Enzian. Sie wissen, dass Enzian hier kein blaues Blümerl ist? Der Vogel-Jakob verkaufte gezackte Plättchen, die, an den Gaumen geheftet, zu nachtigallgleichen Tönen oder Erstickungsanfällen befähigten.

Der Schichtl


Der Schichtl. Der führte eine ganz besondere Attraktion auf der Wiesn ein: „Die Enthauptung einer lebenden Person mittels Guillotine“. Sie ist selbst zur Institution geworden, zu der sich die Wiesngeher*innen bis heute verabreden. Meine Oma konnte nicht ohne! Ich musste leider mit. "Leider" deswegen, weil meine Oma immer wollte, dass ich mich unters Fallbeil lege! Der Spruch des Rekommandeurs "Auf geht's beim Schichtl!" ist legendär und holte einst viele Menschen in das Zaubertheater.

Der Steyrer Hans


Der Steyrer Hans war bereits zu seinen Lebzeiten eine Legende! Neben seinen sturschädeligen Wiesn-Einzügen war er für seine herkulischen Kräfte berühmt. Als "bayerischer Herkules" ließ er die Muskeln vor Publikum spielen. Übrigens stand die erste Muckibude Münchens in einer Gastwirtschaft der Münchner Altstadt. Es war die Gastwirtschaft der Familie Greiner, in der sich auch der Steyrer Hans einfand. Ludwig Greiner wiederum war der "Erfinder" Karl Valentins, einer anderen Münchner Legende!

Karl Valentin


Karl Valentin wiederum entwickelte die Froschbahn für die Wiesn. Er gehörte zu den vielen, die auf der Wiesn mit eigenen Erfindungen dabei sein wollten. Von ihm existiert auch ein Film über einen Wiesn-Bummel!

Carl Gabriel


Als um 1900 die Bilder laufen lernten, richtete Carl Gabriel das erste Münchner Kino ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte er mit seinem Einfallsreichtum bereits für einige Neuheiten auf der Wiesn gesorgt. Die von ihm veranstalteten Völkerschauen mit ihren auf Stereotype reduzierten Inszenierungen gelten heute zurecht als rassistische Zurschaustellungen. Er führte aber auch das Hippodrom als Festzelt ein, in dem es neben Speis & Trank möglich war, auf echten Pferden zu reiten. Angeblich war das für die Männerwelt dann besonders interessant, wenn Frauen in den Sattel stiegen. Bedenken Sie: der Fußknöchel der Damen war im normalen Leben ein wohlverhülltes Körperteil! Carl Gabriel ist darüber hinaus auch verantwortlich dafür, dass die Hexenschaukel, das Teufelsrad und das Steilwandfahren auf der Wiesn eingeführt wurden.

Lassen Sie uns die Wiesn-Originale von heute finden!


Die Wiesn als technische Leistungsschau



Der Blick zurück fasziniert sicher einige Menschen, andere suchen den Nervenkitzel der technisch neuesten Fahrgeschäfte. Aber auch diese Idee ist alt und gehörte bereits zur Wiesn des 19. Jahrhunderts. Auf der Suche nach technischen Neuheiten erzähle ich Ihnen Wiesn-Geschichten, die Sie staunen lassen!


Kolossal-Standbild der Bavaria


Zum Oktoberfest 1850 wurde das Kolossal-Standbild der Bavaria aus gegossener Bronze vor der Ruhmeshalle enthüllt. Bei der Bavaria handelt es sich um die erste Kolossalstatue seit der Antike. Der Abguss ihrer rechten Hand liegt als Beispiel in der Metallurgie-Ausstellung im Deutschen Museum. Die Bavaria war von König Ludwig I. in Auftrag gegeben worden und steht bis heute für das beeindruckende Know-how der königlich bayerischen Erzgießerei.


Die Wiesn wird elektrifiziert

Mittlerweile mehr Nostalgie als technische Sensation: Die Krinoline, das erste elektrisch betriebene Karussell auf der Wiesn. Hier spielt noch Live-Musik zum Krinolinen-Wellengang. Diese Neuerung wäre ohne den rasanten technischen Fortschritt nicht möglich gewesen. Ganz besonders die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts bringen in dieser Hinsicht viele Neuerungen hervor. Die Elektrifizierung änderte überhaupt das gesamte Leben und auch die Attraktionen auf der Wiesn. Sie erschienen in einem neuen Licht im wahrsten Sinne des Wortes. Dafür sorgten die in den 1880er-Jahren dort montierten elektrischen Bogenlampen der Firma Einstein. Der Inhaber, Hermann Einstein, war der Vater von Albert Einstein. Mit dem technischen Fortschritt veränderten sich auch die dortigen Vergnügungen: Achterbahn, Teufelsrad, Hexenschaukel, Steilwandfahren kommen auf die Wiesn. Welch überragende Bedeutung die Elektrifizierung für alle Bereiche des Lebens hatte, kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass auf der Wiesn ein Apparat zu finden war, der einen "elektrifizierte". In Karl Valentins "Oktoberfestfilm" lässt sich dies ganz wunderbar erleben. Das Oktoberfest wurde immer mehr als "Messe" genutzt, als technische Leistungsschau. In gewisser Weise hat sich das bis heute erhalten, denn es gehört dazu, dass jedes Jahr neue, spektakuläre Fahrgeschäfte aufgestellt werden, die den Kräften der Schwerkraft trotzen. Eine bestimmt spannende Aufgabe für die Sachverständigen des TÜV!​


Velozipedisten auf Stahlrössern

Immer noch sensationell beliebt ist das Fahrradfahren. Im Zeitalter der E-Bikes schafft das praktisch jeder. Das Rad gilt – zumindest in der Stadt – als Fortbewegungsmittel der Zukunft! Bei den European Championships 2022 starten 770 Radsportler. Die Radsportwettbewerbe liegen damit an dritter Stelle hinter Leichtathletik und Rudern, was die Anzahl der Athleten anbelangt. Früher war das anders! Sind Sie schwindelfrei? Blicken wir zurück: Fahrradfahren konnte nicht jeder. Zu Beginn des Velo-Zeitalters gehörte eine Menge Mut und Schwindelfreiheit dazu. Sind Sie schon einmal auf einem Hochrad gefahren? Wissen Sie, wie man in den Sattel kommt? Das mussten Sie können, wenn Sie in den 1880er-Jahren an den Fahrrad-Wettrennen auf dem Oktoberfest teilnehmen wollten. Es waren Hochrad-Wettbewerbe.

Pferdebahn und Trambahn


Heute fahren wir ober- wie unterirdisch und 1984 wurde die U-Bahn bis zur Theresienwiese ausgebaut. Vorläufer dieses Transportmittels war die Pferdebahn, die an der Theresienwiese Halt machte.



Was machen wir auf der Wiesn?

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Für unseren gemeinsamen Wiesn-Bummel treffen wir uns gleich in der Früh, wenn Einlass ist. Dadurch haben wir genügend Zeit, auch die Festzelte von innen zu erkunden. Sie werden staunen, welche atmosphärischen Unterschiede es gibt! Darüber hinaus erwartet Sie allerhand Wissenswertes aus der 200-jährigen Geschichte des Oktoberfestes. Und natürlich dürfen auf unserer Tour die zahlreichen Wiesn-Originale und ihre schlitzohrigen Ideen nicht fehlen. Ausklang gerne bei einer Maß Bier vor Ort. Ich freue mich auf Sie! Und ich freue mich ganz unbandig auf die diesjährige Wiesn!

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