Münchner Mentalität! Der Grant – Die Kunst, auf Bairisch zu schimpfen.

Aktualisiert: 21. Mai

Das Granteln ist mit „schimpfen“ völlig unzureichend übersetzt. Es handelt sich wohl eher um eine Gemütslage, die mit der Melancho­lie verwandt ist. Zu kapieren ist das manchmal ganz schwer!




In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde an vielen Stellen in der Stadt gehämmert, geschlagen und gebohrt. "München wird moderner!", konnte man an mindestens ebenso vielen Stellen plakatiert lesen. Bauliche Moderne als Verheißung?! Baulärm und Baustellen, die den Verkehr behindern, zu Staus und Verspätungen führen, Ärger mit sich bringen... Jemand, der granteln kann, der weiß solche Lebensumstände zu kommentieren. Es kann aber auch passieren, dass das eintritt, was damals die Bild-Zeitung schrieb:


"Das Granteln ... wird kaum mehr hörbar sein. Es geht im Rattern der Presslufthämmer unter."


(Nachzulesen in der Edition Bayern zu Olympia '72, herausgegeben vom Haus der Bayerischen Geschichte.)

Lassen Sie uns gemeinsam den Versuch unternehmen, dem Grant und der Kunst des Schimpfens auf Bairisch nachzuspüren. Wir erkunden das Grantlertum in München, gemäß dem Motto: Das Wesen ei­ner Stadt spiegelt sich im Humor ihrer Menschen! Auch wenn Sie es jetzt noch nicht glauben können: Grant und Humor sind miteinander verwandt. Denn beim Grant handelt es sich nicht nur um schlechte Laune. Schauen wir uns an, ob wir herausfinden können, was Granteln ist.

Eine der bekanntesten Darstellungen eines Münchner Grantlers stammt von Ludwig Thoma: Dienstmann Alois Hingerl alias Engel Aloisius. Dieser soll sich im Himmel dem Hosianna-Singen widmen und damit dem ewigen Frohlocken. Das sanfte Frohlocken ist nicht wirklich etwas für den Engel Aloisius, der sehr schnell an dieser Aufgabe scheitert:

"Hahlelujja...Hahlelujja...Hahlelujja...Hahleeeee-lujja...Halleluja! Luhja! Luhja, sog i! 'zeefix Hallelu­ja! Luhja!"

Erfunden wurde der Engel Aloisius von Ludwig Thoma und kongenial vertont mit Adolf Gondrell. Seitdem sind viele Jahre ins Land gegangen, und es muss befürchtet werden, dass das Granteln in einer Welt, in der der Dialekt auf dem Rückzug ist, nicht mehr verstanden wird.

Granteln ist nicht gleich Granteln und auch nicht immer Schimpfen. Ohne Phantasie und die Lust an Sprachbildern wird es nichts mit dem Granteln. Lautstärke alleine bringt gar nichts. Der Volkssänger Weiß Ferdl hat uns in seinem Stück "Ein Wagen von der Linie 8" ein legendäres Repertoire an Beschimpfungen hinterlassen. Hier kann man sehen, dass beim Granteln der Dialekt der Hochsprache eindeutig überlegen ist:

  • "So, bitte aussteigen lassen"

  • "Aber Leid laßt´s doch´d Leid naus, na"

  • "Laßt´sas halt naus!"

  • "Geh halt weg, Du oida Depp!"

  • "Dir gib na scho an oidn Deppn, Du Rotzlefe, Du rotziger!"

  • "A so a schwindsüchtiges Zigarettenbirschal, a scho as Mei aufreißn..."

Auf unseren Rundgang nehmen wir einige legendäre Grantler mit und entdecken womöglich noch neue! Die, die wir mitnehmen, sind fast ausnahmslos erfundene Charaktere, von denen einige in München Kultstatus erreicht haben. Nicht alle sind gebürtige Münchner. Wir wollen schauen, ob die von ihnen verkörperten Grantler heute noch eine Chance hätten. Auf unserem Rundgang wollen wir die gesamte Farbigkeit grantiger Äußerungen einfangen. Wir versuchen es mit:

  • Dem eingebildeten Kranken,

  • Karl Valentin,

  • dem Schaffner vom "Wagen von der Linie 8",

  • Herrn Hirnbeiß und seinem Dackel,

  • Walter Sedlmayr,

  • dem Charly,

  • Karl Obermayr,

  • Karl und Ludwig Grandauer,

  • Baby Schimmerlos,

  • und: Ihnen?

Ich freue mich bei unserem Rundgang schon aufs Granteln mit Ihnen, denn das ist ausdrücklich erlaubt! Und darauf, wie wir die Sprache zum Schillern bringen. Schwingen Sie mit und kitzeln Sie Ihren Grant hervor!




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