Münchner Wirtshauskultur! Gaudiburschen und kesse Weibsbilder.

Aktualisiert: 17. Nov.

Volksmusik und Volkstanz erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit, auch bei den Jüngeren. Neben traditioneller Volksmusik spielt Tradimix einen wichtige Rolle. Dabei werden verschiedene Musiktraditionen gemischt. Als Beispiel für diese neue Volksmusik sei die „Unterbiberger Hofmusik“ genannt, die bayerische Volksmusik mit türkischer Halbtonmusik verbindet und damit seit Jahren Erfolge feiert. Widmet man sich der Volksmusik von der tänzerischen Seite, gibt es ebenfalls viel zu entdecken. Eine große Freude ist es, Zwiefache zu tanzen. Sie gehören mit ihren reizvollen Taktwechseln zum Schwersten und zum Schönsten, was sich tanzen lässt.



Was hat das alles mit dem Wirthaus zu tun?


Die Verbindung von Musik, Gesang und Tanz mit der Institution Wirtshaus wurde bereits früher gepflegt. In München entstand im 19. Jahrhundert in den Vorstadttheatern und Wirtshäusern die Volkssängerkultur. In unserer Zeit wurde diese Tradition spätestens beim Oktoberfest-Jubiläum 2011 mit der "Oiden Wiesn" wieder belebt. Die Oide Wiesn mit ihren historischen Oktoberfestvergnügungen bot auch den Musikant*innen und Brettlkünstler*innen unserer Zeit eine Bühne und allen Volksmusik- und Volkstanzbegeisterten eine neue Heimat.

Seitdem nimmt die Zahl der volksmusikbegeisterten Münchner*innen stetig zu, genauso wie die Gelegenheiten, diesem Hobby nachgehen zu können, wie eine Auswahl zeigt:

  • Musikanten-Stammtische,

  • Volksmusiktage in der Gaststätte Fraunhofer mit Tanz-Frühschoppen,

  • Musikantenfreundliche Wirtshäuser, wie das Weisse Bräuhaus, das Hofbräuhaus, der Donisl,

  • Festzelte der Oiden Wiesn, wie das Schönheitsköniginnen-Festzelt, das als Volkssängerfestzelt auf der Wiesn etabliert worden ist,

  • Tanzböden im Hofbräuhaus mit Kathreintanz-Großveranstaltung,

  • Kocherlball im Englischen Garten,

  • "Tanz in den Mai"-Veranstaltungen in den großen Wirtshäusern der Innenstadt wie Augustiner, Löwenbräu,

  • und sogar die Münchner Volkshochschule und das Referat für Volkskultur der Stadt München haben ihr Programm auf die neue Lust der Menschen nach Volksmusik und Volkstanz eingestellt.

Blicken wir zurück!


Im 19. Jahrhundert engagierten die Münchner Brauereien Brettlkünstler*innen und Musikant*innen für ihre Wirtschaften, um den Bierabsatz anzukurbeln. Der erste echte Wirtshausmusikant soll "Kapellmeister Sulzbeck" gewesen sein, der im Hofbräuhaus den Kontrabass spielte und die Gabe hatte, mit wechselnden Partnern gute Wirtshausmusik zu machen. Heute gibt es wieder Bands, die genau das machen wollen, gute Wirtshausmusik! Dazu gehört u.a. der "Niederbayerische Musikantenstammtisch".

Auf unserem Stadtspaziergang beschäftigen wir uns auch mit der Lebenswelt um 1900. In dieser Zeit erlebte die Volkssängerkultur ihren Höhe­punkt in München. Die Bühnen der damaligen Zeit bekamen durch die Elektrifizierung einen neuen, verführerischen Glanz. Die Volkssänger*innen bezogen sich auf die Lebensverhältnisse, die in der Vorstadt, in den Armenquartieren rechts der Isar, herrschten. Typen wie der „Kare“ und der „Luggi“ wurden über Generationen hinweg sprichwörtlich. Werfen wir noch einen Blick auf das Personal der Wirtshäuser, auf die Wassermadln und Kellnerinnen. Diese konnten von ihrem Verdienst, dem Trinkgeld, allein nicht leben. Eine, die den Aufstieg schaffte, war Coletta Möritz, besser bekannt als "Schützenliesl".

Sollte die Pandemielage es zulassen, werden wir einen Abstecher in die Volkssänger-Ausstellung im Isartor machen. Zum Ausklang kehren wir in ein musikantenfreundliches Wirtshaus ein.


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