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Frauen fahren Auto – auch in München!

Aktualisiert: 30. Dez. 2022

Boxenstopp: Frau im Mond, auf der Dachterrasse des Deutschen Museums


Die Zwanziger Jahre sind das Jahrzehnt, in dem Frauen auf dem Fahrrad endlich akzeptiert sind. Frauen, die Gas gaben und hinter dem Steuer eines Autos saßen, bewegten sich dagegen in einer Männerwelt. Es war nicht üblich, dass eine Frau einen Autofahrerkurs besuchte und den Führerschein machte. Sie brauchte dafür bis 1958 die Zustimmung ihres Vaters oder Ehemanns.


Die meisten Autofahrerinnen kamen nicht aus der breiten Maße der Bevölkerung. Diese "Automobilistinnen" nahmen ganz selbstverständlich an Autorennen teil. Das zeigt sich, wenn man die Teilnehmerlisten anschaut. Manche dieser Rennen trugen sogar eigene Damen-Konkurrenzen aus. Ein Körnchen Wahrheit steckte also schon in dem Titelblatt der Zeitschrift "Jugend", mit der für das Thema "Rennen" geworben wurde:


Aus: Jugend von 1923 (links, Titelblatt von Heft Nr. 9; rechts, Werbeanzeige in Heft Nr. 12)


In München zählten zu den ersten öffentlich bekannten Autofahrerinnen die Unternehmergattin Ada Otto und die Schauspielerin Erika Mann. Die beiden fuhren auch Rennen und waren dabei so erfolgreich, dass sie mit der männlichen Konkurrenz mithalten und diese sogar übertrumpfen konnten.


Ada Otto war mit dem Flugzeugbauer und Unternehmer Gustav Otto verheiratet. Er war der Sohn von Nikolaus Otto, nach dem der Viertaktmotor benannt ist.


Die Gustav Otto Flugmaschinenwerke waren während des Ersten Weltkriegs in Konkurs gegangen und wurden 1916 in die Bayerischen Flugzeugwerke (BFW) eingebracht. Damit gehören sie zu den Vorgängerfirmen der heutigen BMW AG.


Ada Otto nahm an bedeutenden Bergrennen teil, wie dem Hindelang-Oberjoch-Rennen und dem Rusel-Bergrennen, das von Deggendorf nach Zwiesel führte. 1923 gewann sie dieses Rennen in 4 Stunden und 49 Minuten auf einem Otto. Neben so einem Wagen steht sie rechts im Bild. Das Otto-Emblem auf der Motorhaube ist gut zu sehen. Ebenfalls gut zu erkennen, die schönen Continental Cord Reifen! (Zum Rusel-Bergrennen vgl. AZ am Abend, 15.9.1926).


1923 nahm sie am Automobil-Turnier von Baden-Baden teil. Sie fuhr die schnellste Zeit im Geschwindigkeitsrennen. Mit diesem Erfolg hatte sie gute Ausgangschancen für die weitere Konkurrenz und auf den Gesamtgewinn des Automobil-Turniers für das der Batschari-Wanderpreis vergeben wurde. Leider schied sie in der Schönheitskonkurrenz durch ein nicht von ihr verursachtes Missgeschick aus. Die Presse kommentierte das wie folgt:


Münchner Neueste Nachrichten, 17.7.1923; Im Vergleich dazu die Werbekampagne von Benz & Cie. nach dem Sieg in Baden-Baden 1922, um zu verstehen, in welchem Umfeld Ada Otto mithalten konnte, aus: Simplicissimus, 23.8.1922


1924 fand die Bergfahrt auf den Königsstuhl statt, bei der sie die drittbeste Zeit fuhr. In der Presse wurden ihre tollkühnen Fahrkünste ausdrücklich erwähnt:


"Durch die schwerste Kurve am Leopoldstein flitzten die kühnen Fahrer nur so durch, daß man öfter glaubte, ein Unglück wäre unvermeidlich. Jedoch die Fahrer hatten die Wagen sicher in ihrer Gewalt. Besonders Frau Otto, Nallinger und Walb erzielten für ihre Kühnheit von den zahlreichen Zuschauern brausenden Beifall. (...) Nach Beendigung des Bergrennens versammelten sich die Teilnehmer zum gemeinsamen Mittagstisch auf dem Konlhof-Hotel. Dort wurden die Resultate bekanntgegeben."

(Vgl. Münchner Neueste Nachrichten, 23.7.1924).


Neben Autorennen bestritt sie auch Bootsrennen. 1921 war sie in der 15-qm-Renn-Boot-Klasse für die "Herbstverbandswettfahrten" auf dem Starnberger See gemeldet. 1922 siegte sie in dieser Klasse auf Stella II bei einer Regatta des Königlich Bayerischen Yachtclubs. (Vgl. Münchner Neueste Nachrichten, 21.7.1922).


Eine Werbeanzeige aus dem Jahr 1924 ist sehr aufschlussreich, wenn man Ada Otto nicht nur als reiche Unternehmergattin charakterisieren will. Ihr Mann hatte 1922 die Otto-Werft (Starnberger Automobilwerk A.-G.) gegründet. Seine Frau war wahrscheinlich die erste Werksfahrerin für ein deutsches Automobilunternehmen! Ihre Rennerfolge sollten in unternehmerische Erfolge umgewandelt werden:


Münchner Neueste Nachrichten, 16.2.1924


Erstaunlich ist, dass heute über Ada Otto fast nichts mehr bekannt ist. Man muss sich schon für Motorsport interessieren, um auf sie zu stoßen. 1924 war sie auf dem Weg in die Motorsportgeschichte. Oder, wie es die Münchner Neuesten Nachrichten am 29.6.1924 ausdrückten: Sie war auf dem Weg "Die erste bayerische Fliegerin" zu werden:




Erika Mann war die älteste Tochter des Schriftstellers Thomas Mann. Sie begeisterte sich sehr für den noch jungen Automobilsport und war überhaupt gerne schnell unterwegs.


1930 ließ sie sich bei einem Automechaniker in München das praktische Know-how für Reparaturen an ihrem Ford beibringen. Sie unternahm noch im gleichen Jahr eine Autofahrt nach Afrika.


Durch diese praktische Erfahrung bestens vorbereitet, nahm sie 1931 an einer 10.000-Kilometer-Fahrt durch Europa teil. Beifahrer war ihr Jugendfreund, Richard (Ricky) Hallgarten. Die vom Automobilclub von Deutschland (AVD) ausgeschriebene Rallye startete am 24. Mai auf der AVUS in Berlin und sollte die beiden durch acht Länder führen. Zwei Wochen später am 6. Juni fuhren die beiden auf der AVUS unter dem Jubel von 100 000 Schaulustigen als Sieger durchs Ziel.




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