Mit dem Dampfross unterwegs! München fährt ins Industriezeitalter

Aktualisiert: 25. Apr.

Wissen Sie, was die Eisenbahn und das Oktoberfest gemeinsam haben?


Vielleicht kann ich Sie davon überzeugen, dass das Oktoberfest, dieser Münchner Ausnahmezustand, neben seiner berauschenden auch eine fortschrittliche Wirkung auf seine Besucher hat. Versuchen Sie, das Oktoberfest als technische Leistungsschau zu sehen. Heutzutage ist das gar nicht schwer, da jedes Jahr neue Attraktionen mit technischen Höchstleistungen geboten werden müssen. Seit wann gibt es diesen Zusammenhang?


Am 4. Oktober 1840 begann das Oktoberfest und wurde die erste Bahnstrecke von München nach Augsburg eröffnet. Ein Jahr vorher war bereits die Teilstrecke München–Lochhausen in Betrieb gegangen. Wie das ausgesehen hat, sehen Sie im Bild oben dargestellt. Die Mobilität hat mittlerweile gewaltige Fortschritte gemacht. Lassen Sie uns gemeinsam zurückschauen in die Zeit, in der die Dampfrösser nach München gekommen sind.



"Dampfross" hat das Wort "Ross" für Pferd in sich. Wohl aus gutem Grund nannte man die ersten Lokomotiven so. War das Pferd doch über Jahrtausende hinweg das wertvollste Zugtier des Menschen. Mit der Erfindung der Dampfmaschine begann sich das zu ändern: nun konnte man Maschinen bauen, die Muskelkraft ersetzten, auch die der Pferde. Mit den Dampflokomotiven, den "Dampfrössern", sollte das praktisch möglich werden. Auf der ersten deutschen Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Fürth waren neben den eisernen Dampfrössern anfangs auch Pferde als Zugtiere eingesetzt. Und bis heute verwenden die Menschen gerne den Begriff PS (Pferdestärke), um die Motorleistung ihres Autos zu beschreiben, obwohl es sich bei der Pferdestärke nicht einmal um eine offizielle Maßeinheit handelt. Wir scheinen uns unter einer Pferdestärke einfach mehr vorstellen zu können als unter einer Kilowattstunde. Die Pferdestärken werden unser Denken und unseren Sprachgebrauch wohl noch einige Zeit begleiten, wohingegen die "Dampfrösser" aus der Anfangszeit der modernen Mobilität heutzutage nur noch im Museum zu bewundern sind oder zu besonderen Anlässen auf die Schiene zurückkehren.

Der Münchner Komiker Karl Valentin kam 1882 in München auf die Welt und wuchs in der Zeit auf, in der München Industriestandort geworden war. Technische Neuerungen bezog er oft in seine Stücke mit ein, obwohl er einigen dieser Neuerungen eher ängstlich gegenüber stand. Er war leidenschaftlicher Trambahnfahrer, hatte aber Angst vor dem Zugfahren. Die Entwicklung des modernen Fliegens wiederum verfolgte er mit großem Eifer, hätte selbst aber nie ein Flugzeug bestiegen. In seinem Stück "Sturzflüge im Zuschauerraum" gibt es folgenden Dialog:

  • "Warum kümmern sie sich nicht um ihren Apparat? Das macht man doch vorher!"

  • "Vorher hab ich doch nicht gewußt, daß er net geht... "

"Das macht man doch vorher!" – Hat das auch schon mal jemand zu Ihnen gesagt, als Sie einen technischen Apparat nicht zum Laufen gebracht haben? Dann wissen Sie jetzt, was Sie darauf antworten können.

Die Entwicklungsgeschichte der "Apparate", die die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes bewegten und von einem Ort zum anderen brachten, ist noch längst nicht abgeschlossen. Wir befinden uns gerade wieder in einer Umbruchszeit: Fahrräder werden zu E-Bikes, Autos zu Elektroautos usw. In München wird darüber hinaus diskutiert, ob Autos und Busse aus der historischen Altstadt verbannt werden sollen; einst sollte sie möglichst autogerecht werden! Das ist ein willkommener Anlass, sich damit zu befassen, wie sich die Mobilität bisher in München entwickelt und wer alles dazu beigetragen hat. Im 19. Jahrundert kamen neben den Lokomotiven und Eisenbahnen, Pferdetrambahnen, Velos und Autos in die Städte. Sie veränderten das Antlitz der Stadt in kurzer Zeit erheblich, was heute noch zu sehen ist. Wir wollen uns auf unserem Rundgang mit den wichtigsten Personen beschäftigen, die diese Veränderung prägten. Wir schauen uns dabei an, wo diese Verwandlung Münchens im 19. Jahrhundert begann und welche neuen Plätze, Häuser und Straßen in der Stadt entstanden.


Blicken wir zurück in die Zeit vor 1800

Über Jahrhunderte hinweg kamen die meisten Menschen über das Isartor nach München. Sie brachten wichtige Waren in die Stadt, wie das Salz, das als "weißes Gold" bezeichnet wurde. Das Isartor war Münchens bedeutendstes Stadttor, definiert durch die Salzstraße als wichtigster Handelsstraße zu Land und durch die Isar als wichtigster Verkehrsader zu Wasser.

Diese Verhältnisse änderten sich ab 1800. Die Stadtentfestigung war zu diesem Zeitpunkt bereits in Gang gekommen: die barocken Wallanlagen wurden eingeebnet und die mittelalterliche Stadtmauer abgetragen. Der Umbau Münchens bekam zusätzlichen Schwung nach den napoleonischen Kriegen. Was brauchte es dazu? Einmal den Gestaltungswillen des bayerischen Königs, Ludwigs I., und neue, technische Innovationen, die nur umsetzbar waren, wenn die Infrastruktur der Stadt angepasst wurde. Die Rede ist von der Eisenbahn, die sich in die Enge mittelalterlicher Städte nicht integrieren ließ. So entstand der "Centralbahnhof" Münchens im Gelände westlich des Stachus.

Mit der Eisenbahn und dem Ausbau ihres Streckennetzes kamen immer mehr Menschen nach München. Dies hatte zur Folge, dass sich das Gebiet zwischen Bahnhof und Karlsplatz/Stachus stark veränderte und zu einem repräsentativen Empfangssalon unter freiem Himmel ausgebaut wurde. Dieser bot alles, was der ankommende Reisende brauchte. Neben Hotels und Warenhäusern prägten repräsentative Bauten der Justiz den ersten Eindruck von München. Heute gilt das Gebiet zwischen Hauptbahnhof und Stachus nicht unbedingt als schönstes Pflaster Münchens.




Die Eisenbahn war erst der Anfang. Ihre Schienentechnologie verband die Städte untereinander und ließ sich auch innerhalb der Städte verlegen. Die pferdegezogene Kutsche wurde so auf die Schiene verlegt und wandelte sich erst zur Pferdetram und dann zur Trambahn. Die Menschen erlebten eine Beschleunigung ihrer Fortbewegung, wie sie sie vorher nicht gekannt hatten. Orte, die für viele bisher unerreichbar gewesen waren, lagen nun in Reichweite! Eine der Konsequenzen war, dass München einen rasanten Anstieg der Bevölkerungszahlen verzeichnete und innerhalb von hundert Jahren um das 11,5-fache wuchs. 1900 wurde die halbe Million erreicht und München war Großstadt geworden!

Zum Abschluss unseres Rundgangs werden wir uns mit einem Hauptzweig des Münchner Gewerbes beschäftigen, den Brauereien. Die technische Gestaltungskraft der Menschen hatte auch die Arbeits- und Produktionsbedingungen entscheidend verändert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte Carl von Linde eine Erfindung, die die Produktionsbedingungen von Bier revolutionierten und die Haltbarkeit von Bier verbesserten: die Kältemaschine!




Wir lernen auf unserem Rundgang die Zeit kennen, in der sich die Mobilität der Menschen grundlegend änderte. Heute sind wir damit beschäftigt, wie wir nachhaltiger unterwegs sein können. 1835 wurde die erste Bahnstrecke Deutschlands in Bayern eröffnet, von Nürnberg nach Fürth. Zu diesem Zeitpunkt waren die Schienen noch aus Eisen. Ein paar Jahrzehnte später wurden sie aus Stahl hergestellt. Heutzutage liegt die Zukunft der Schiene in ihrer Digitalisierung. Neben der Eisenbahn, die quasi über Bayern in Deutschland eingeführt wurde, war die Erfindung der Kältemaschine von enormer Wichigkeit für die heimische Industrie. Die Brauereien konnten sich so zu Großbrauereien entwickeln, die ihr Bier in alle Welt exportierten.

Neugierig geworden? Dann freue ich mich darauf, Sie recht bald begrüßen zu dürfen und mit Ihnen gemeinsam die Welt von gestern zu entdecken!

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