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1158 und 1180 – München tritt ins Licht der Geschichte.

Aktualisiert: 26. Dez. 2022

Zwei Daten sind für die Anfänge Münchens von großer Bedeutung: Die Jahre 1158 und 1180.


Zuerst zu den Ereignissen von 1158.

Bildnachweis: Die erste Erwähnung von München als "munichen" im "Augsburger Schied", 14. Juni 1158, Faksimile, Quelle: Wikipedia


Streit unter Verwandten! Kann spannend sein, wenn man selbst zuschauen darf. In den 1150er-Jahren hatte Kaiser Friedrich Barbarossa so eine Beobachterposition, wenn es um seine zankenden Verwandten in Süddeutschland ging. Bischof Otto von Freising und Herzog Heinrich der Löwe von Bayern stritten sich um den Verlauf der Salzstraße und die Einnahmen aus dem lukrativen Salzhandel. Es war also von wichtiger Bedeutung, wo die Salzhandelsstraße die Isar querte. Entweder bei Föhring auf dem Gebiet des Bischofs von Freising oder bei Munichen auf dem Gebiet des Herzogs von Bayern.


Wie waren alle miteinander vewandt? Otto war der Onkel von Friedrich und Friedrich war der Vetter von Heinrich. Auf dem Reichstag zu Augsburg 1158 schlichtete Friedrich Barbarossa diesen Streit zugunsten Heinrichs des Löwen. Dieser musste aber dem Bischof von Freising Ersatz zahlen für die Verlegung von Markt, Zollbrücke und Münze nach Munichen. Damit sich alle daran hielten, wurde das Ergebnis aufgeschrieben und unterschrieben. Dabei wurde München als "munichen" das erste Mal erwähnt!


Das Dokument nannte man bisher "Augsburger Schied". Die, die es genau nehmen und lateinisch können, haben darauf hingewiesen, dass von einer "conventio" geredet wird, was soviel wie "Übereinkunft" heißt. Deswegen wird dieses Dokument mittlerweile auch "Augsburger Übereinkunft" oder "Augsburger Vergleich" genannt.


Diese Urkunde gilt als Geburtsurkunde von München. Jetzt kommen wieder die zu Wort, die es genau nehmen. Eigentlich kann es sich nicht um eine Stadtgründungsurkunde handeln, da München bereits existiert haben muss. Aber: Jedes Jahr feiert die Stadt München um den 14. Juni herum (vgl. Ausstellungsdatum des "Augsburger Vergleichs" 14. Juni 1158) das Stadtgründungsfest am ehemaligen Marktplatz, dem heutigen Marienplatz.


Es kommt noch besser: Allen mittelalterlichen Chronisten war dieser "Augsburger Vergleich" von 1158 unbekannt! Er wurde erst in der Frühen Neuzeit 1582 von Wiguleus Hund veröffentlicht.


Jetzt kommen wir zu den Ereignissen von 1180.


Kaiser Friedrich und seine Entscheidungsbefugnisse waren wieder gefragt. Er erklärte Heinrich den Löwen als Herzog von Bayern für abgesetzt. Das war die Chance für den Bischof von Freising: Ihm wurden nun die Markt- und Zollrechte von München zugesprochen. Das Ergebnis wird wieder schriftlich festgehalten und ist die Urkunde, die den mittelalterlichen Chronisten bekannt war! Manchen galt deswegen das Jahr 1180 bzw. der Zeitraum darum herum als Gründungsjahr von München. Interessant ist, dass 1180 auch die Aufzeichnungen des Klosters Schäftlarn von München berichten. Sie sagen, dass München zerstört und Föhring wieder aufgebaut worden ist. Das ist jedoch nicht passiert. Aber denen, die es genau nehmen, gilt der Hinweis in den Schäftlarner Annalen als Hinweis darauf, dass auch damals schon gewusst wurde, dass München älter sein musste, denn sonst hätte 1180 nicht aufgeschrieben werden können, dass es angeblich "zerstört" wurde.


München wird 1180 also nicht zerstört, sondern der Bischof wird neuer Stadtherr. Das bleibt er solange, bis es der Stadt und den Wittelsbachern 1239/40 gelingt, ihn aus dieser Stellung zu vertreiben. 1239 siegelt die Bürgerschaft Münchens das erste Mal selbstständig und verfügt eine Zollbefreiung. Und 1240 findet ein bayerischer Landtag in München statt. Zu dem kommt auch Herzog Otto II. von Bayern. Das gilt als erster Nachweis dafür, dass der bayerische Herzog nun auch Stadtherr von München geworden war.


(vgl. Stahleder, Chronik der Stadt München)



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