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Münster und Montaigne über München.

Aktualisiert: 26. Dez. 2022


1544 (1588) wird München in der Cosmographia des Sebastian Münster beschrieben. Die Kosmographie ist das erste Werk in deutscher Sprache, das das Wissen der damaligen Welt allgemeinverständlich zusammenfasst:

"Anno 1315 hat sie Kaiser Ludwig, Herzog von Bayern, erweitert und mit hübschen Bäuen geziert. Danach ist sie nach und nach gebessert worden, also daß zu unseren Zeiten keine hübschere Fürstenstadt in Deutschland gefunden wird. (...) Der Boden um die Stadt ist nicht sonderlich geschlacht, denn es wächst nichts darum, denn allein Kornfrucht."


1572 erscheint eine Beschreibung Münchens im Städte-Atlas "Civitates orbis terrarum" (Georg Braun und Franz Hogenberg, hrsg. von W. Bruhn, Leipzig 1938).

Abbildung aus: Zettler, Alt-Münchner Bilderbuch, 1918. Bei Zettler ist zu der Abbildung vermerkt: Anonyme freie Kopie eines 1571 bei Weigl in Nürnberg erschienenen Holzschnitts.


In der Beschreibung von München werden auch die Löwen (vgl. 1493 Schedelsche Weltchronik) erwähnt:

"München übertrifft viele fürstliche Städte durch seine Paläst und Sauberkeit. (...) Die Lage der Stadt ist mancher Bequemlichkeit halber äußerlich wie innerlich überaus lustig und wegen ihres wohl temperierten Klimas über die Maßen gesund. (...) Aus dem Neue Schloß kann man durch eine Schnecke [Wendeltreppe] in einen Saal [Kunstkammer] steigen, der so voll schöner und lieblicher Dinge, die Natur oder menschliche Kunst ausgedacht hat, daß jeder, der hereinkommt, er habe noch so viel Wunderbarliches geschaut, darinnen doch etwas Neues sieht. Im alten Fürstlichen Hause [Alter Hof] hält man Tiger, Bären, Luchse und zur Zeit 12 Löwen, deren Weibchen oft jungen. Da hat auch Herzog Christoph ein Malzeichen errichtet mit daneben aufgezeichneten deutschen Reimen. (...) Der Patricierstand ist hier etwas edler als anderswo und pflegt jedes Jahr den Brauch zu halten, Sonntags nach Heil. 3 Könige alle, mit Weib und Kindern, zu Wagen aufs Schloß und an die Haupt-Stadttore zu fahren, es seien gleich die Gassen beschneit oder nicht; folgenden Tages aber tanzen sie auf dem Rathause mit den Höflingen und richten ihrem Fürsten ein stattliches Mahl zu. Am Fronleichnamstag wird allda eine so gewaltige Procession gehalten, daß man sie schier mit den Triumphzügen der alten Römer vergleichen kann."

1574 wird München in der "Beschreibung und Contrafactur der vornembster Stät der Welt" (vgl. 1572 Städte-Atlas "Civitate orbis terrarum"; jetzt erscheint die deutsche Ausgabe dazu) erwähnt:

"München (...) ist eine gar treffliche Stadt des bayrischen Landes (...) Hat eine lustige Lage und auf der Ebene ein schönes Schloß. Allda pflegen die bayrischen Fürsten zu unserer Zeit das Hoflager zu halten. Allda werden immer und immer wieder Löwen gehalten, und pflegen die Löwinnen allhie Junge zu ziehen."


1580 macht der französische Schriftsteller Michel de Montaigne auf seiner Reise nach Italien Station in München:

"[München] einer großen Stadt etwa im Umfang von Bordeaux [wo Montaigne herkommt], Hauptstadt des Herzogtums Bayern und erster Residenz am Ufer der Isar. (...) Sie hat ein schönes Schloß und schönere Stallungen als ich je in Frankreich und Italien gesehen habe, gewölbt und zur Aufnahme von zweihundert Pferden bereit. Es ist eine stark katholische, bevölkerte, schöne und handelsreiche Stadt. (...) Wir fanden dort in unseren Zimmern Vorhänge, aber keine Betthimmel vor, und im übrigen alles sehr sauber; die Fußböden werden mit Holzwichse, die gekocht sein muß, gebohnert."


1597 erscheint eine weitere Darstellung Münchens in dem Werk des Astronoms und Kartographen Caspar Volpel, dem "Supplementum Europae Vopelianae". Wir erfahren nichts Neues, da auch damals schon einer vom anderen abgeschrieben zu haben scheint. Es bleibt zu hoffen, dass wir folgenden 17. Jahrhundert wieder mehr Neues erfahren.

"Es ist kein Land in Deutschland [Bayern], das mehr wohlerbaute Städte hat, nämlich 34. (...) Unter diesen Städten ist München die vornehmste, da die Herzöge Hofhaltung haben. Da sieht man allezeit Löwen, die auch bisweilen Junge haben. Diese wird die schönste Stadt von ganz Deutschland genannt."

(vgl. Stahleder, Chronik der Stadt München)


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