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Hainhofer, Zeiller und Merian sowie erste Touristen über München.

Aktualisiert: 26. Dez. 2022



1601 (1587) erscheinen 200 historisch-geographische Beschreibungen deutscher Städte im Werk des lutherischen Humanisten und Historikers Matthäus Dresser [Isagoges historicae, 5 Bde., Leipzig (III Jena) 1586-1606]. Dieses Werk wurde von den Zeitgenossen sehr geschätzt:

"Heute ist München Sitz der bayerischen Herzöge und übertrifft an Schönheit viele andere Städte. Vieles sieht man da, was mit außerordentlich viel Erfindungsgabe und Kunst und mit bewunderungswürdiger Geschicklichkeit gearbeitet und gefeilt ist. Hervorragend ist unter anderem die reiche und ungeheuere Bibliothek, welche ungefähr 40000 Bände umfaßt, wovon ein großer Teil Handschriften sind."


1611 besucht der Augsburger Kunstagent Philipp Hainhofer München. Er ist öfter in der Stadt und verfasst mehrere Reiseberichte über seine Aufenthalte.

Der erste Stadtplan von München, Tobias Volckmer, 1613, koloriert

Zu den Löwen, die in München gehalten wurden (vgl. 1493 Schedelsche Weltchronik), schreibt er:

"Nahe dem Alten Hof wurde ein Löwenpaar gehalten, das täglich zweiundzwanzig Pfund Fleisch vertilgte."

(zitiert nach, Adalbert Prinz von Bayern, Als die Residenz noch Residenz war)


Münchens Aussehen beschreibt er wie folgt:

"Die statt an Ihr selbsten ist zimblich gross (...) hat schöne, weite, lustige, saubere gassen, zwar nit gar hohe, aber hübsche ebne stainine häuser, und darunder vil gemahlte, einen schönen marckht, weitte tieffe wassergräben, ain Rathaus all antica, dass landhauss gleich darbey, stehen beyde auf dem Weinmarckht und hat es umb den Weinmarckht herumb die höchste häuser von vier gaden, sonst fast durchgehendes nur von einem gaden."


1644 weilt der protestantische Reiseschriftsteller Philipp Zeiller in München.

Der Marckt zu München, Matthäus Merian, 1644


Seine Beschreibung Münchens geht ein in Matthäus Merians Topographie [Matthäus Merian, Topographia Bavaria, Beschreib- und Aigentliche Abbildung vornembsten Stätt und Orth in Ober und Nider Beyern, der Obern Pfaltz, und andern zum Hochlöblichen Bayrischen Craiße gehörigen Landschafften, Frankfurt 1644]:

"[München] ist ein überauß schöne Statt und wird erachtet, daß kein schönere Fürsten Statt in Teutschland zu finden seye (...) Die Häuser seyn groß, schön und prächtig erbauet, haben artige Manier mit den Wasser-Eymern das Wasser hinauff zu ziehen und zu schöpfen und seyn solche, sonderlich auff dem Marckt schön gemahlet (...) der Lufft seye allda gar gesund, habe einen schönen Marckt, auff welchem unlängsten von rotem Marmor ein Säul auffgerichtet worden, auff dessen Spitz oder Höhe die Mutter Gottes mit dem Kindlein Jesu im Mond stehend, alles stattlich vergüldet, zu sehen; gebe allda stattlichen Handel mit Wein, Saltz und Getreyd, und werden jährlich zween vornehme Märckt oder Messen gehalten."


1652 macht Gottfried Ehrenreich Berlichius, ein Student aus Leipzig, während seiner Reise durch Europa Halt in München. In seinem Tagebuch notiert er:

"München. Diese stadt ist sehr schön unndt groß, lieget gantz in der ebene unndt rundt, der churfürsten auß Bayern hofstadt; ist von außen sehr feste, mit gräben unndt wällen, auch munition wohl versehen (...) Waß das schönste allhier zu sehen, ist die überauß schöne residenz, ein sehr groses gebeüde, begrifft in sich die kunstkammer, keysersburg [wohl die um den Kaiserhof gelegenen Gebäude], churfürstliche gemächer, capelle, zeughauß; ist ganz ins gevierde gebauet, ist ein solches schloß, dergleichen nicht in Europa zu finden, welches von einem fürsten in Bayern angefangen, von dem verstorbenen aber vollendet worden. (...) Noch in einem gemach ist ein ofen, der wegen seiner kunst unndt schönheit 30000 th[a]l[e]r soll gekostet haben, dabey sich der könig in Schweden gesetzet, alß er München eingenommen unndt gewinschet, daß dieser ofen zu Stockholm wehre."


1674 wird die Schönheit der Stadt München mal wieder durch einen Besucher geprießen. Diesmal von Galeazzo Gualdo Priorato aus Bologna:

"München ist eine der schönsten Städte Deutschlands (...) Es wohnen in ihr zur Zeit etwa 18000 Seelen und die Häuser sind sehr stattlich und bequem, die Straßen weit und hell und das Pflaster rein gefegt. Die Luft ist frisch und vortrefflich, weshalb die Leute sehr lange gesund bleiben. Es gibt da sehr breite Plätze und es fehlt an nichts, was Glanz und Pracht erzeugt."


1687 veröffentlicht Anton Wilhelm Ertl den "Kurbayerischen Atlas".

Ansicht Münchens in: Kur-Bayerischer Atlas. Ansichten und Beschreibungen altbayerischer Städte aus dem Jahr 1687


Über München ist darin zu lesen:

"Dieses ist die weltberühmte Churfürstliche Haupt- und Residentz-Stadt in Bayern, ein hellgläntzende Sonnen deß gantzen Lands, ein unschätzbares Perl Europae, ein unvergleichlicher Schatz deß werthen Teutschlands, ein Spiegel der Adelichen Hof-Sitten, ein Pallast der Gerechtigkeit, ein Sitz der Andacht und Glaubens-Eifer, mit einem Wort, ein Ausbund alles, was in vielen Ländern mag gefunden werden. (...) In dieser Churfürstl. Haupt-Stadt befindet sich auch in überaus weiter Platz oder Markt, auf dessen Mitten ein sehr hohe marmolsteinene Säulen mit einem dick-verguldeten Glockspeissinnen Bild der heiligsten Jungfer, und allerhand Engeln sich in die Lüffte schwinget, so alles von Churfürsten Maximilian dem I. mit ungemeinen Kosten aufgerichtet worden. Der Marckt ist von Oost mit dem prächtigen Rathaus, von Nord mit dem schönen Landschaffthaus, und rings umhero mit hohen schönen gemahlten Häusern umringet, allwo ein schöner Prospect in die Neuhäuser Gassen hinauf zu dem so genannten schönen Thurn Anleitung gibt die Augen zu ersättigen. (...) Die Stadt ist sehr Volckreich, und weil ein neuer Handel allda mit Tuchmachen, Seidenwürcken, Glasmacherey mit grossem Nutzen eingeführt worden, also wird die Anzahl deß Volks und Burgerschafft noch mehr erweitert."

Zu den Zitaten: Wenn nicht anders angegeben, stammen die Zitate aus der Chronik der Stadt München von Stahleder.


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