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2. Zwei Münchner streiten über Unrat und seine Entsorgung.

Aktualisiert: 31. Dez. 2022

Es geht nichts über gute Nachbarschaft! Ein Nachbarschaftsstreit aus dem 17. Jahrhundert.

Der Färbergraben in München mit dem Rappen-Eck im 19. und 21. Jahrhundert (2018), Quellen: Stadtgeschichte München und München Wiki


Am 18. November 1689 beschwert sich der Hofhutmacher Johann Turin über die schlechte Luft bei seinem Haus am Färbergraben 3 (vgl. 1644 Zeiller, 1674 Priorato, die als Besucher die gute Luft in München rühmen). Darüber hinaus erfahren wir auch, dass streitende Nachbarn vor 300 Jahren nicht anders gestritten haben als heute:

"Er [Turin] habe seither [seit 10 Jahren] 50 Gulden für Bachräumung ausgegeben. (...) Auch schütte er kein Kot in den Bach. In der Sommerhitze könne er tagsüber keine Fenster öffnen und wenn er abends kühle Luft haben wolle und sie aufmache, käme ein fürchterlicher Gestank in seine Wohnung. Er finde deshalb auch keine Mieter für seine oberen Zimmer, weil die ganzen Leute aus der Nachbarschaft, sogar die aus dem Kreuz, mit ihren Nachtkübeln ankämen und sie auf dem Steg neben seinem Haus in den Bach leerten. Er selbst lasse jeden Abfall gegen ein Trinkgeld aus dem Haus tragen und wegfahren. Welche unterschiedlichen Krankheiten doch aus diesen Dingen kommen könnten! Dabei hätten die Leute in der Nachbarschaft – der Hitzlsperger Branntweiner, der Hirschbräu, der Schäftlbader, der Braunmiller Bäcker – genug Geld und Zinseinnahmen von ihren Inwohnern, um sich selbst Aborte ('Secreta') einzurichten. Der Braunmiller, den er neulich zur Rede gestellt und ihn gebeten habe, er solle doch seinen Unrat bei dem Einguß bei seinem Haus einschütten, habe ihm zur Anwort gegeben, es gefalle ihm so. Der Hutmacher bittet, das abzustellen und vor dem Steg ein Türl anzubringen, zu dem nur er den Schlüssel habe."

(vgl. Stahleder, Chronik der Stadt München)


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