top of page

Ein Berliner und ein Münchner über München.

Aktualisiert: 26. Dez. 2022

Lesen Sie selbst...


1781 bereist der Berliner Schriftsteller und Verleger, Friedrich Nicolai, Deutschland und die Schweiz [Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz im Jahre 1781]. Nicolai wird 1781 auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Bernardo Bellotto, Ansicht der Stadt München von der Ostseite, 1761, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, CC BY-SA 4.0


Über München schreibt er:

"Der Platz, oder Markt, wo die Hauptwache ist, hat ansehnliche Häuser und offne Arkaden unter denselben. Auf diesem Platze steht ein vergoldetes Bildniß der Jungfrau Maria auf einer hohen marmornen Säule, und um das Fußgestell derselben (...) siehet man geharnischte Engel beschäftigt, Ungeheuer zu zerhauen, welches (...) auf die Vertilgung der Ketzer deutet. (...) Eine Menge Kirchen, düstere Klöster mit langen unzierlichen Facciaten, hin und wieder ein Pallast, und viel solide gebaute aber nicht zierliche Bürgerhäuser, ist was man am meisten siehet. (...) Die Residenz oder das kurfürstliche Schloss ist ein ungeheuer großes schlecht zusammenhängendes Gebäude, ohne Symmetrie und Evrytemie (...) Ich hätte das Gebäude eher für eine Prälatur angesehen, zumal da die Jungfrau Maria, als Patronin von Baiern, so groß daran steht. Das Innere des Schlosses ist prächtig, wie dieß auch in vielen Büchern gerühmt wird."

(zitiert nach Hollweck, In München anno 1782)



1782 erscheint Lorenz Westenrieders "Beschreibung der Haupt- und Residenzstadt München". Westenrieder kommt in München zur Welt, besucht das Jesuitengymnasium, wird zum Priester geweiht, arbeitet an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und als Stadthistoriker. Seine Darstellung Münchens bietet sich für einen interessanten Vergleich mit der Reisebeschreibung von Friedrich Nicolai an. Westenrieder schreibt:

"Der Umkreis der ganzen Stadt beträgt 5800 gemeine Schritt. (…) Zwischen der ersten, und der zwoten Stadtmauer befinden sich die sogenannten Zwinger, welche den Herren Bürgermeistern angewiesen, und worinn von diesen schöne Gärten angelegt sind. Am Fronleichnamstag stehen dieselben jedermann offen. (…) die Stadt selbst liegt in einer schönen Ebne, mit Feldern und Aekern umgeben, hat gegen Süden die hohen, und schönen Gebirge, gegen Osten den Isarfluß, der vermög einem Meisterstück des Wasserbaus, die Stadt in vielen Kanälen, deren Wasser man, wie man will, erhöhen kann, durchschneidet, und genüßt eine scharfe, kühle, und der Gesundheit überaus gedeyliche Luft. (...) [Die] Residenz in München. Dieses prächtige Gebäud hat viele weitschichtige Höfe, Sääle, Gallerien u.s.w. vornen zwey hohe marmorne, nach dorischem Stil verfertigte Thore, vor deren jedem auf marmornen Gestellen zween Löwen mit Sinnbildern, aus Erz gegossen, sitzen."

(zitiert nach Westenrieder, Beschreibung der Haupt- und Residenzstadt München, 1782)


0 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page