Zu Gast beim Münchner Rat! Rundgang durchs spätmitteralterliche München mit Besuch des Rathauses.

Aktualisiert: 25. Apr.

Seien Sie mein Gast und lassen Sie sich verführen zu Tanz, Trunk und Kartenspiel! Gemeinsam erkunden wir das Spätmittelalter in München, begeben uns direkt hinein ins gesellschaftliche Vergnügen!


Wir sind aufs Rathaus bestellt:

  • an der Stiege warten Ihnen Gschlachtgwander in Wehr und Harnisch auf,

  • für Musik und Späße sorgen Joculatores, Fistulatores und Trommelschlager,

  • von Vortänzern an die Hand genommen, erwartet Sie ein köstliches Vergnügen.



Es erwartet uns die junge bayerische Herzogin, Margarete. Ihr Gatte galt als ewiger Junggeselle und war auch nicht mehr der Jüngste mit seinen 58 Jahren. Dank der amourösen Eskapaden seines Neffen Albrecht fand er doch noch in den Hafen der Ehe – schon aus rein dynastischen Gründen! Dieser Albrecht war der Erbe des Herzogtums Bayern-München und lebte zu diesem Zeitpunkt in einer Beziehung mit einer Bürgerstochter. So sollte er recht bald von der Liebe zum Leiden durch wahres Verbrechen kommen! Wenn ich Ihnen diese Geschichte erzähle, dann hören Sie "True Crime Stories" des 15. Jahrhunderts und erfahren dabei, dass das, was heute so gerne gehört wird, schon früher existiert hat. Aber jetzt spielen wir erst einmal mit der Herzogin Karten, schließlich hat der Münchner Rat für diesen hohen Besuch Geld ausgegeben und zwei Schachteln Konfekt gekauft:

"zwo statel (Schachtel) guts veyns confects ... do man die der herczogin auf das rathaws kaufet zu aim trunck. Da vielen die edelleut darein und frassens als die saw mit paiden fewsten. Da redten ettlich burger gnug darzu, ob sie sich sein (dessen) nit schameten."

Nun sind Sie vorgewarnt! Auch Edelleute können die Beherrschung verlieren – nicht nur in der Liebe, sondern auch beim Essen. Wir erfahren, dass ihr unmanierliches Betragen, zum bürgerlichen Fremdschämen führten.

Damit wir uns nicht verfehlen, beschreibe ich Ihnen kurz, wo sich das Rathaus in München befindet. Es handelt sich um das alte Rathaus, das den Marienplatz nach Osten hin abschließt. Heute befindet sich das Kaufhaus „Beck am Rathauseck“ in seiner Nähe! „Alt“ ist das Rathaus, weil wir mittlerweile auch ein „neues Rathaus“ haben. Das Tanzhaus befindet sich im ersten Stock des alten Rathauses. Die drei großen Glasfenster sind mehr als ein Stockwerk hoch und vermitteln den Eindruck, dass der Saal bis unters Dach reicht. Von außen leicht zu erkennen am spätgotischen Dachabschluss in Form eines Stufengiebels. Im Mittelalter fanden dort die großen Feste mit Tanz statt, zu denen die Stadt lud. Hier waren die Ratsherren Gastgeber. Bei Ihnen handelte es sich um Mitglieder der vornehmsten Familien Münchens: die Ridlers, die Kazmairs, die Pütrichs, die Ligsalz', die Pötschners, die Hundertpfunds, die Tulbecks oder die Schrencks. Sie bildeten den „Patricierstand“, dem die Bürger mit dem höchsten Steueraufkommen angehörten und die im Laufe der Zeit in den Adelsstand aufstiegen. Ihre Familien stellten auch die Bürgermeister Münchens. Typisch für diese Zeit war, dass Bürger und herzoglicher Hof gemeinsam feierten und zusammenkamen zu Tanz, Trunk und Kartenspiel.




Es gibt noch mehr zu berichten aus Münchens bürgerlicher Blütezeit im 15. Jahrhundert. Und vor allem lohnt es sich den ehemaligen Tanzsaal anzuschauen: die mit Schnitzereien verzierte Holztonnendecke mit schmückendem Wappenfries und den flankierenden Statuen der Moriskentänzer, die zum Tanz auffordern.

Neugierig geworden? Dann lassen Sie uns aufbrechen in eine vergangene Zeit, die reich an bunten Vergnügungen war, aber auch ihre Schattenseiten hatte.





Auf diesem Stadtrundgang ins Münchner Spätmittelalter…


...begegnen Sie allerhand buntem Volk und Edelleuten! Die Besucher geben sich die Ehre auf dem Rathaus, sogar die Edelleute stellen sich dort vor. In die Stadt kommt auch allerhand exotischer Besuch, der durch seine Kleidung auffällt. Und Weltreisende kehren nach Bayern zurück: neben Venedig hatte auch München einen Marco Polo! Sie erfahren auch, wann das "grosse Fressen" stattfand und wer sich beim Salzsendermahl versammelte.

Im 15. Jahrhundert erlebte München seinen Höhe­punkt als selbstbewusste Bürgerstadt, was sich auch in den Festivitäten spiegelt, die die Stadt zusammen mit dem Herzogshof für hohe Gäste, wie Kaiser Maximilian I., ausrichtete. Viele dieser Vergnügungen fanden im Tanzhaus statt, das sich in München im alten Rathaus befand.

Zu Beginn stimmen wir uns auf die Zeit ein, die wir kennen lernen wollen und machen einen Rundgang zu den Orten, die im spätmittelalterlichen München wichtig waren. Abschließend besuchen wir den Saal des alten Rathauses. Zu guter Letzt erfahren Sie noch, wie er heute genutzt wird. Denn Stadtrat und Oberbürgermeister haben ihren Sitz längst verlagert, nämlich ins neue Rathaus.

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