Was?

Literarische Stadtführung

Wann? / Wo?

Termine nach Absprache

Sprache

Deutsch/Bairisch

Dauer / Preis

2 Stunden
14 €/12 € (Erw./erm.)
7 € (Kinder)
220 € (Gruppe)

Lena Christ!

Ruhm und Ehre Bayerns für die Hansschusterleni

"Droben beim Martlbräu platzen die Knospen der Kastanien, treibt der Flieder seine Dolden, gurren die Tauben auf dem Dach der Stallungen. Und die Hanni steht mit heißem Gesicht und geröteten Armen am Herd, wendet den Braten, rührt die Brüh, klappert mit den Deckeln und wischt an den Tellern, ...!"

 

Diesen Einblick in das Schicksal der Rumplhanni gewährt uns Lena Christ in ihrem gleichnamigen Roman. Sie lässt uns teilhaben am Leben einer jungen, unverheirateten Frau aus der Schicht der Dienstboten.

 

Um 1900 hatte München eine halbe Million Einwohner, von den Frauen waren mehr als 2/3 zugereist! Damals fuhren täglich 300 Züge über den Münchner Centralbahnhof (heute: um die 750). Es wimmelte von arbeitswilligen Frauen, die als Dienstmadln, Arbeiterinnen, Mörtelweiber, Kellnerinnen, Wassermadln, Köchinnen, "Perlen"... ihr Auskommen suchten. In diese Lebenswirklichkeit entführt uns Lena Christ in ihrem Roman. Zu Literatur geworden und für die Ewigkeit festgehalten, verbindet das Leben der Rumphanni glaubwürdig die Lebenswirklichkeit Münchens um 1900 mit einer anschaulichen Sprache. Besonders die Dialoge klingen auf eine Weise ans Ohr, als ob sie wirklich stattgefunden hätten und nicht erfunden wären.

Warum ist das über den literarischen Genuss hinaus für uns interessant? Oder, anders gesagt: Wie die Hansschusterleni es in die Ruhmeshalle schaffte! Damit wollen wir uns auf unserem Rundgang zu Leben und Werk Lena Christs beschäftigen.

Ich freue mich auf Sie!

Für Gscheidhaferl!

Lena Christ selbst hätte wohl am wenigsten damit gerechnet, dass ihre Literatur als bedeutend anerkannt werden würde. Vor allem nicht in der seelischen Verfassung ihrer letzten Lebensjahre: am 30. Juni 1920 nahm sie sich im Alter von nur 38 Jahren das Leben. Sogar die Angaben auf ihrem Grabkreuz machen den Eindruck, als hätte sich die Welt gegen sie und ein ehrendes Gedenken verschworen: als Todestag wird der „31. Juni“, angegeben, den es auch in absehbarer Zukunft nicht im Kalender geben wird.

 

Persönliches Unglück konnte das von ihr geschaffene Werk nicht dauerhaft überschatten. Heute steht sie als Schriftstellerin in einer Reihe mit Oskar Maria Graf oder Ludwig Thoma. Ihre Hauptwerke sind "Erinnerungen einer Überflüssigen", "Rumplhanni" und "Mathias Bichler".

Lena Christ Ruhmeshalle_edited.jpg